Feuer in Rosenheim: Container brennen lichterloh

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Ferien, Filme und Spektakel

- "Für uns sind es fast Ferien, für alle die hier sind, ist es ein bedeutender Augenblick ihres Lebens." Diplomatisch verteilte Philip Gröning Komplimente, als er nach der Bedeutung des für den experimentelleren und jüngeren "Horizonte"-Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig gefragt wurde: "Die ,Horizonte sind die beste Auswahl ungewöhnlicher Filme in der Welt." Im Vorjahr war Gröning selbst Teilnehmer mit "Die große Stille". Jetzt sitzt er als Präsident der zweitwichtigsten Jury in Venedig vor.

"Das ist der faszinierendste Stil der Filmgeschichte."

Brian DePalma über den Film Noir

Sein Pendant für den Wettbewerb, in dem in den kommenden elf Tagen 21 Filme um den Goldenen Löwen kämpfen, ist Superstar Cathé´rine Deneuve. Mit ihr entscheiden unter anderem die Regisseure Cameron Crowe ("Vanilla Sky") und Park Chan-wook ("Old Boy"). Im cremefarbenen Kostüm, die schönen Augen leider hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen, lobte die Deneuve das Festival für seine "Cinephilie" und erinnerte sich vor der Weltpresse an ihren ersten Venedig-Besuch: "Es war 1967 mit Buñ~uels Film ,Belle de Jour’. Am Ende gewannen wir den Goldenen Löwen."

Eröffnet wurde die 63. "Mostra" am Mittwochabend mit "The Black Dahlia" von Brian DePalma: "Ein normaler junger Mann wird in eine Situation geworfen, die ihn in die extremsten Tiefen seiner eigenen Psyche führt. Am Ende erreicht er einen Punkt der Erlösung. Dies wird erzählt in einer Rekonstruktion seiner persönlichen Sicht und vor dem Hintergrund eines der ersten medienvermarkteten Morde der US-Geschichte." Besser als James Ellroy selbst, der bekannte US-Bestseller-Autor, kann man den Plot von "The Black Dahlia" ("Die schwarze Dahlie") nicht zusammenfassen. Wer die Hintergründe kennt, weiß, dass Ellroy hier auch von sich selber sprach, als er sich gestern Mittag gemeinsam mit DePalma und den Hauptdarstellern auf der Eröffnungspressekonferenz den Fragen der Journalisten stellte.

"The Black Dahlia" gehört zu den am gespanntesten erwarteten Filmprojekten der letzten Jahre. Das liegt zunächst einmal an dem Stoff selbst: Ellroys Kriminalroman, 1987 erschienen, wurde prompt zum Bestseller und begründete den Ruhm des Autors. Buch wie Film vermischen die fiktive Geschichte eines jungen Polizisten in L.A. mit dem realen Fall des Mordes am 22-jährigen Filmstarlet Elisabeth Short. Zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen und von seinem Freund und Partner verraten, klärt er einen spektakulären Mordfall auf und wird dabei Zeuge von Korruption und Gewalt auch innerhalb der Polizei. Missbraucht und schrecklich zugerichtet wurde die Leiche der jungen Frau im Januar 1947 in einem Park von Los Angeles aufgefunden.

Von den Medien "Die schwarze Dahlie" betitelt, geriet die Tat zu einem der spektakulärsten Mordfälle der US-Kriminalgeschichte, bei dem auch bekannte Hollywood-Persönlichkeiten zu den Verdächtigen gehörten und der bis heute nicht aufgeklärt wurde. Hinzu kommt die persönliche Betroffenheit Ellroys, dessen Mutter 1957 unter ähnlichen Umständen ermordet wurde. Ellroy schrieb über den Fall das Sachbuch "Die Rothaarige". Der Autor heute: "Elisabeth und meine Mutter vermischten sich mit den Jahren in meinem Kopf und wurden ein und diesselbe Person."

Weil Ellroy mehr ist, als ein normaler Krimiautor, weil seine detailliert recherchierten Romane zugleich auch eine Kulturgeschichte seiner Heimatstadt erzählen, musste ein Weg gefunden werden, diesen Ansatz zu bewahren und den Stoff zugleich zugänglich und in Filmlänge erzählbar zu machen.

Diese Aufgabe ist Brian DePalma glänzend gelungen. In zwei Stunden entfaltet "The Black Dahlia" ein fesselndes Panorama des L.A. von 1947 und spielt zugleich virtuos mit der Filmgeschichte jener Zeit, dem Film Noir, den auch Ellroy sein Vorbild nennt. "Das ist der faszinierendste Stil der Filmgeschichte", betonte DePalma gestern, "leider macht man solche Filme derzeit zu wenig".

Als Film voller cineastischer Referenzen, zugleich spannend erzählt und gespickt mit US-Stars - Josh Hartnett, Scarlett Johansson, Hillary Swank und Mia Kirshner spielen die Hauptrollen - war "The Black Dahlia" ein hervorragender Eröffnungsfilm für ein Festival, das weniger Marketingbedeutung hat als Cannes und Berlin und dem daher jedes Jahr aufs Neue der Spagat zwischen Pofis und normalem Publikum glücken muss. Wie gut das in diesem Jahr gelingt, wird sich zeigen. Über 200 Filme gibt es am Lido zu sehen, darunter neue Werke von David Lynch, Spike Lee, Barbara Albert, Johnnie To und Alain Resnais.

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