Der Film zum Musical

- Es ist ja wahr: "Das Phantom der Oper" von Andrew Lloyd Webber ist das zweiterfolgreichste Musical aller Zeiten (Nr. 1 ist Webbers "Cats"), alleine in Deutschland haben es über acht Millionen Menschen gesehen. Aber muss man deswegen einen Film daraus machen? Musical-Fans gehen in die Theater, und jene, die Webbers Klangwelten nichts abgewinnen können, möchten es weder auf der Bühne noch im Kino sehen.

<P>Gemacht worden ist es trotzdem, und es bleibt wenig anderes zu sagen, als dass es genau so aussieht, wie man sich die Verfilmung eines Webber-Musicals vorstellt. Wobei fairerweise angefügt sei, dass es Norman Jewison vor 31 Jahren mit "Jesus Christ Superstar" gelungen war, einen beeindruckenden Film auf Grundlage eines Webber-Stücks zu drehen.<BR><BR>Eine Orgie des Designs</P><P>Das ist lange her, und Webbers Eigenheit, klassische Elemente mit modernen Instrumenten zu kreuzen, erschien seinerzeit innovativ. Beim "Phantom der Oper" wirkt es nur noch abgedroschen, und so ist es schwer, den Film als solchen zu beurteilen, weil das ständige Gedudel ablenkt. Das freilich ist schon der erste Fehler des Regisseurs Joel Schumacher: Er hätte keine abgefilmte Musical-Aufführung daraus machen dürfen. Andererseits hat Webber eigenes Geld in die Produktion gesteckt und am Drehbuch mitgeschrieben: Da waren Schumacher wohl die Hände gebunden. Was ihn bewogen hat, sich dennoch darauf einzulassen, ist leicht zu erkennen. Schumacher hat als Ausstatter angefangen. Ein maskierter Irrer, der im 19. Jahrhundert das Pariser Opernhaus tyrannisiert - da konnte Schumacher nicht widerstehen. Zu schön die Kulissen, zu prächtig die Kostüme und zu theatralisch die Handlung, als dass der Ästhet Schumacher Nein hätte sagen können. So ist der Film eine Orgie des Designs geworden - und der Bedeutungslosigkeit.<BR><BR>Das ist schade, denn Schwelgen in Art déco und hemmungslose Melodramatik haben mitunter ihren Reiz. Zudem hat Schumacher, wie so oft, eine glückliche Hand bei der Wahl seiner Schauspieler. Insbesondere Emmy Rossum legt als Christine angesichts der Begrenzungen der Rolle eine überzeugende Vorstellung hin. In der englischen Originalfassung kann man hören, dass die junge Dame auch schön singen kann.<BR><BR>Aber auf Betreiben Webbers wurden die Gesangsparts für den deutschen Markt von hiesigen Musicalstars übernommen. Die ungelenk übersetzten Texte sind das einzig Gruselige an diesem Horror-Musical. Dieses Wortgeschwurbel ist es, das einem die 143 Minuten, die das "Phantom der Oper" an Lebenszeit vernichtet, so sehr verleidet. <BR><BR>(In München: Mathäser, Maxx, Royal, Filmcasino, Gloria, Leopold, City, Rio, Cinema). </P><P>"Phantom der Oper"<BR>mit Emmy Rossum, Gerard Butler<BR>Regie: Joel Schumacher<BR>Erträglich </P>

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