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„Elser wurde erst zu einem politischen Menschen“: Christian Friedel als Hitler-Attentäter, der Film startet an diesem Donnerstag.

Christian Friedel in der Titelrolle

Film über Georg Elser: „Er steht für alle Deutschen“

München - Der Schauspieler Christian Friedel spielt die Titelrolle in einem historischen Film über den Hitler-Attentäter Georg Elser. Im Interview spricht Friedel über seine Rolle, über Verantwortung und über das Spiel mit der Angst.

Vor zehn Jahren bekam er den Merkur-Förderpreis, heuer wird er für den Deutschen Filmpreis gehandelt: Schauspieler Christian Friedel. Der gebürtige Magdeburger, der an der Otto-Falckenbergschule in München ausgebildet wurde,  ist ab diesen Donnerstag als Hitler-Attentäter Georg Elser im gleichnamigen Film zu bestaunen.

Ein Gespräch über die Herausforderung historischer Rollen, Friedels Musikleidenschaft und darüber, warum sich der 36-Jährige seit der Arbeit am „Elser“-Film öffentlich auch politisch äußern möchte.

Der Untertitel lautet: „Er hätte die Welt verändert“. Hätte Elser wirklich die Welt zum Positiven verändert? Oder wäre der Lauf der Geschichte mit dem Tod Hitlers trotzdem so grauenhaft weitergegangen?

Es ist immer schade, im Konjunktiv zu sprechen. Doch man stellt sich diese Frage natürlich: Was wäre passiert, wenn das Attentat auf Hitler geglückt wäre? Ob der Nationalsozialismus ein Ende gefunden hätte oder im Gegenteil Hitler zum Märtyrer geworden wäre – man kann es einfach schlecht sagen.

Bei historischen Filmen will man immer wissen: Wie viel Wahrheit, wie viel Fiktion steckt im Film? Wie ist es bei „Elser“?

Wir können das leider auch nicht sagen, weil es keine Ton- oder Videodokumente gibt. Ich sage zwar „leider“, doch finde ich es von der schauspielerischen Herangehensweise eher hilfreich. Gäbe es Aufnahmen von Elser, wäre man versucht, sich sklavisch daran zu halten. So gab es viel Interpretationsspielraum und künstlerische Freiheit, die wir uns auch genommen haben.

Wie haben Sie sich der Figur genähert?

Ich habe erst einmal geguckt: Wo ist er mir nahe? Natürlich spielt die Musik eine große Rolle. Er war ein begeisterter Musiker, das haben wir gemeinsam. Selbst im Konzentrationslager am Schluss sieht man, dass er die Musik braucht. Für mich ist die Musik ebenfalls ein Stütze im Leben. Ich werde oft gefragt: Für was würden sie sich entscheiden, Musik oder Schauspielerei? Dabei will ich mich gar nicht entscheiden. Ich brauche beides.

Wie schön, dass Sie durch Ihre Band „Woods of Birnam“ beides machen können…

Ja. Ich hoffe, dass ich eine Inspirationsquelle vielleicht für den einen oder anderen bin, damit er an die eigenen Träume glauben kann. In uns allen steckt viel mehr, als uns manchmal das System glauben machen möchte. Es wird oft mit Ängsten gespielt, damit wir weiter funktionieren und nicht ausbrechen. Trotzdem leben wir in einem Land, in dem wir frei sind, in dem wir eine demokratische Stimme haben und ein soziales System, das uns erst einmal auffängt. Das ist ein Glück, das wir uns bewusst machen sollten. Der Deutsche meckert ja gern und ist chronisch unzufrieden. (Lacht.) Im Gegensatz zu anderen Staaten, wo Menschen in ihrem Leben extrem eingeschränkt werden, sind wir wirklich ein Luxusland.

Ist Ihnen das durch die Arbeit am Film noch einmal deutlicher geworden?

Absolut. Ich rede hier gerade so ein bisschen politisch. Ich hab’ mich eigentlich nie derart geäußert, weil ich auch nicht so erzogen wurde. Dass aber Georg Elser eher ein unpolitischer Mensch war, dann aber zu einem politischen wurde, hat mich gelehrt, dass auch ich mir meiner Verantwortung bewusst sein muss. Politik fängt ja schon in der Familie an. Meine Familie etwa hat mir unglaublich tolle Werte mitgegeben, Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit, Soziales zum Beispiel. Und dafür bin ich überaus dankbar.

Gibt es einen Satz von Georg Elser, der besonders in Ihrem Gedächtnis hängen geblieben ist?

„Wenn der Mensch nicht frei ist, stirbt alles ab.“ Das ist ein Satz, der nicht verbrieft ist, den aber Regisseur Oliver Hirschbiegel hereingebracht hat. Ein wunderschöner Satz, den ich gern gesagt habe.

Inwieweit übernimmt der Film Originalzitate aus den Verhörprotokollen?

Sämtliche Protokolle kann man beim Georg-Elser-Arbeitskreis auf der Homepage nachlesen. Das habe ich auch gemacht. Man muss natürlich vorsichtig sein, weil die von den Nazis manipuliert wurden. Wir haben teilweise originale Protokoll-Sätze im Film. Ich fand das ehrlich gesagt ziemlich schwierig zu spielen, weil das so ein Amtsdeutsch ist.

Georg Elser hat stark geschwäbelt. Sie sprechen im Film Hochdeutsch.

Ja, für mich steht er universell für alle Deutschen. Er ist ein Mensch wie du und ich. Undein solcher Dialekt ist für viele Zuschauer erst einmal wie eine Wand, der Zugang wird schwieriger.

Es gibt ziemlich heftige Folterszenen im Film – eine besondere Herausforderung?

Das war tatsächlich wahnsinnig anstrengend. Ich wurde an Grenzen geführt, die ich selber nicht kannte. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass ich in einer Zwangsjacke extreme Platzangst kriege. Aber ich dachte: Ich kann zwar niemals den Schmerz von Elser nachempfinden, mich aber dem zumindest annähern. Deshalb war es für mich ganz wichtig, dass ich alle Stunts selber mache. Ich hatte blaue Flecke überall, sogar auf der Kopfhaut durch die Szene, in der ich an den Haaren gerissen werde. Wenn ich diese Szene sehe, spüre ich noch ein bisschen den Schmerz. Aber ich kann das mir angucken. Weniger die Szenen, in denen ich in Badehose rumspringe, das finde ich viel schlimmer. (Lacht.)

Sie werden dank „Elser“ bereits für den Deutschen Filmpreis gehandelt. Spüren Sie Druck, was das Folgeprojekt betrifft?

Wenn man merkt, dass man etwas im Fokus steht und die Leute über einen sprechen, freut einen das total. Aber ich gehe durch meine Erfahrungen beim Theater damit schon etwas realer um. Das ist jetzt der Film, das ist eine wahnsinnig tolle Chance. Im Herbst mache ich den nächsten, eine abgefahrene schwarze Komödie. Ich mag es einfach, andere Genres und andere Extreme auszuprobieren. Ich habe keine Angst zu scheitern. Ich arbeite auf so vielen unterschiedlichen künstlerischen Gebieten, was mich immer wieder auffängt. Deswegen bin ich relativ locker. Noch. (Lacht). Wenn ich mir das bewahre, dass ich die Menschen immer ein kleines bisschen überraschen kann, dann wäre ich ganz, ganz glücklich.

Das Gespräch führte Katja Kraft

Darum geht es in „Elser“

Er wollte die Welt verändern: Georg Elser, der am 8. November 1939 einen Anschlag auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte Führungsriege des Nationalsozialismus im Münchner Bürgerbräukeller verüben wollte. Das Attentat misslang knapp. Der Film begleitet Elser während des Verhörs nach der Tat und der letzten Tage im Konzentrationslager Dachau. In Rückblenden werden seine frühen Jahren auf der Schwäbischen Alb gezeigt.

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