Der Film der Woche: „Bel Ami“

Berlin - „Bel Ami“ erzählt zwar weniger als Guy de Maupassants Roman – doch immer noch mehr als viele andere Kostümfilme. Sehen Sie hier den Kinotrailer:

So schön kann doch kein Mann sein. Er ist es aber: Georges Duroy, Bauernsohn aus der Provinz und ehemaliger Soldat, sieht einfach zu gut aus. So einer kann und darf nicht scheitern. Dafür sorgen in Guy de Maupassants Roman „Bel Ami“ schon die Frauen, die sich dem nach Erfolg, Geld und vor allem Macht gierenden Duroy reihenweise vor die Füße werfen. Nachdem ihn sein ehemaliger Kriegskamerad, der Redakteur Forestier, in die feine Pariser Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt hat, erkennt der Emporkömmling schnell die Machtfülle der Verleger und Journalisten – und auch, wie er sich einen Platz in diesem filigranen Gefüge sichern kann.

Es war ein interessanter Schachzug der Regisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod, ausgerechnet den „Twilight“-Beau Robert Pattinson in der Titelrolle von „Bel Ami“ zu besetzen. Der Teenieschwarm kämpft seit seinem ersten Auftritt als betörend attraktiver Vampir Edward gegen sein Schönlings-Image und versucht zu beweisen, dass er neben hübsch schauen auch spielen kann. Das gelingt ihm recht gut: Nach überzeugenden Auftritten in „Remember Me“ und „Wasser für die Elefanten“ lässt sich zweifellos sagen, dass Pattinson den Sprung aus der Posterboy-Ecke in die ernsthaftere Kinounterhaltung geschafft hat.

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Überraschenderweise verleiht seine Präsenz dem eher historisierenden „Bel Ami“ einen Verweis in die Gegenwart, in der Schönheit, Prominenz und Macht ja auch einen enormen Stellenwert einnehmen. Gegen Schauspielgöttinnen wie Uma Thurman, Christina Ricci und Kristin Scott Thomas behauptet er sich erfolgreich. Auch wenn ihm die feinen Nuancen mitunter noch fehlen.

Auf Zwischentöne legten die Regisseure Donnellan und Ormerod leider insgesamt zu wenig Wert. Das Unausgesprochene, die Halbwahrheit zwischen den Sätzen, kurzum alles, was überhaupt den Reiz von Maupassants Werk ausmacht, kommt in dieser Adaption zu wenig vor. Was vom Buch bleibt? Eine unterhaltsame, wohltemperiert inszenierte Geschichte inmitten einer herrlichen Ausstattung. Die Kamera schwelgt in wunderschönen Dekors, sieht sich kaum satt an herrlich gestalteten Kostümen und perfekt geschminkten Gesichtern. Das ist weniger als der Roman erzählt. Aber dennoch mehr als viele andere Kostümfilme.

Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © StudioCanal

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