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Film der Woche: „Betty Anne Waters“

München - Schon als Kind war Kenny widerspenstig und leicht aufbrausend. Von früher Jugend an gerät er mit dem Gesetz in Konflikt – bei den saufenden, prügelnden Eltern kein Wunder.

Nur mit seiner Schwester Betty Anne versteht sich Kenny bestens. Heimlich träumen sie von einer Zukunft mit anderen Eltern. Jahre später, Kenny gehört als Kleinkrimineller endgültig zum Bodensatz der amerikanischen Gesellschaft, wird er wegen eines brutalen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Indizien sind eindeutig, und zu Kennys psychologischem Profil scheint die Tat perfekt zu passen. Nur Betty Anne (Hilary Swank) hat Zweifel und glaubt den Unschuldsbeteuerungen ihres Bruders (Sam Rockwell). Kurzerhand beschließt die Serviererin, Schulabschluss und Jura-Studium nachzuholen, um Kenny freizupauken.

Bis zu diesem Zeitpunkt erzählt Tony Goldwyn eine klassische Unterschicht-Geschichte, die allerdings auf einem wahren Fall beruht. Sehr eindringlich bebildert der Regisseur die schlichte Tatsache, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sehr wohl seine unüberwindbaren Grenzen hat – dann, wenn stets Mitglieder bestimmter Gesellschaftsgruppen im Voraus verurteilt werden.

Hilary Swank, die selbst aus der weißen US-Unterschicht stammt und als Kind in einem Wohnwagen lebte, scheint die Rolle der energischen, furchtlosen Frau aus einfachsten Verhältnissen auf den Leib geschrieben zu sein. Ihrem feinnervigen, konzentrierten Spiel zuzusehen, macht solchen Spaß – da verzeiht man manche inszenatorische Einfallslosigkeit.

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