Filmfest München: Debütanten und Klassiker

- Die kurioseste Entdeckung kommt aus den peruanischen Bergen. Der Indio Henry Vallejo bringt sie zum 25. Filmfest mit nach München: "Das Geheimnis des Kahrisiri" heißt sein Werk, das zusammen mit drei anderen Amateurfilmen aus den Anden bei uns an den Alpen für einige Horrorstimmung sorgen wird.

Doch die entspringe schlicht den alten Mythen der Indios, erklärt Klaus Eder, Filmkritiker und Kurator der Sektion "Visiones Latinoamericanas". Er hat die Filme in Peru entdeckt und fürs Filmfest, das in diesem Jahr neben dem jungen unabhängigen asiatischen auch das lateinamerikanische Kino besonders fokussiert, deutsch untertiteln lassen.

Das Filmfest München wird 25 Jahre alt. Und hält es auch kein Geburtstagsprogramm für sich bereit, so sorgt es doch vom 22. bis 30. Juni inmitten seiner rund 220 deutschen Erstaufführungen aus 40 Ländern für einige Überraschungen. Beginnend mit dem Eröffnungsfilm "The Band‘s Visit" des jungen israelischen Regisseurs Eran Kolirin, der Komödie über ein ägyptisches Acht-Mann-Orchester, das in der Wüste Israels verloren geht. "Eine ganz kleine Geschichte, die aber, glaube ich, eine große Entdeckung ist", freut sich Festivalleiter Andreas Ströhl.

Mit dabei sind zahlreiche talentierte Regie-Debütanten (der französische Schauspieler Jacques Fieschi oder Ronald Bronstein, der Filmvorführer im New Yorker MoMA ist) und prominente Stammgäste (wie Volker Koepp, Michael Apted, Mika Kaurismäki). Der rumänische Cannes-Sieger Cristian Mungiu wird seinen Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" präsentieren. Deutschland wartet mit 18 Filmen hauptsächlich junger Regisseure auf, darunter "Autistic Disco", der Zweitling von Hans Steinbichler, und "Beste Zeit" von Marcus H. Rosenmüller. Die Verfilmung des Walser-Romans "Ein fliehendes Pferd" von Rainer Kaufmann wird am 30. Juni den Abschluss bilden. Im Mittelpunkt der "Deutschen Fernsehfilme" steht die Weltpremiere von Adolf Winkelmanns umstrittenem "Contergan"-Film. Es darf aber auch gelacht werden, etwa über den bayerischen Schwank "Das große Hobeditzn" von Matthias Kiefersauer.

Im Rampenlicht stehen in diesem Jahr vor allem zwei Herren: der Filmemacher Werner Herzog, dessen ausführliche Retrospektive am 23. Juni mit der Deutschlandpremiere von "Rescue Dawn" (mit Christian Bale) startet, und der amerikanische Independent-Regisseur Richard Linklater, dessen Werk in 14 Filmen von "It‘s Impossible to Learn to Plow by Reading Books" (1988) bis "A Scanner Darkly" (2006) abgerollt wird. Der CineMerit Award geht dieses Jahr an zwei Oscar-Preisträger: den Regisseur, Autor, Produzenten William Friedkin und den Schauspieler Kevin Kline. Den "Bernhard Wicki Filmpreis - Die Brücke - Der Friedenspreis des Deutschen Films" erhält der junge Rosenheimer Regisseur Marco Kreuzpaintner für "Trade".

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