25. Filmfest München: Gespräche statt Glamour

München - Gespräche statt Glamour - das 25. Münchner Filmfest bleibt auch im Jubiläumsjahr seiner Tradition treu. Auf großen Filmrummel wird bewusst verzichtet - die Verantwortlichen sehen das Festival als Publikumsfest, bei dem es vor allem auf Filme ankommt.

Festivalleiter Andreas Ströhl sorgt lieber für eine lockere Atmosphäre. So griff er beim Eröffnungsempfang am Freitagabend sogar zur Gitarre, um mit der Band alte Rocksongs zu spielen, während sich die Münchner Filmprominenz bei Eis, Sekt und Fleischspießchen bis spät in die Nacht hinein vergnügte.

Zum Auftakt des Film-Marathons gab es den vom Publikum umjubelten Spielfilm "The Band's Visit". Der israelische Regisseur Eran Kolirin war sehr aufgeregt. Ein heiseres "Thank you" brachte er bei der Vorstellung seines Films über die Lippen. Dass ein unbekannter 33-Jähriger Filmemacher mit seinem Kinodebüt für die Eröffnung ausgewählt wurde, passt zum Stil des Festivals. "Das Filmfest München setzt ganz einfach auf Begegnungen und Entdeckungen, und in diesem Sinne soll die Reise auch weitergehen", sagt Ströhl. Er will den regen Austausch von Zuschauern und Regisseuren und freut sich, wenn bei den vielen Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden alle zusammen über Filme debattieren. Bis zum 30. Juni sind rund 200 Filme aus 40 Ländern zu sehen, darunter viele Werke aus Asien und Lateinamerika.

Viele Regisseure, die Ende der 1970er Jahren gegen die Pläne für ein Filmfest protestiert hatten, dürften angesichts dieser Entwicklung zum lockeren Publikumsfestival zufrieden sein. Volker Schlöndorff ("Strajk - Die Heldin von Danzig") hatte damals unter anderem die Idee dazu, brachte damit aber viele Filmemacher gegen sich auf. Erzürnt verteufelten sie das Vorhaben, bei dem sich München ihrer Ansicht nach mit dem Glamour der Filmwelt schmücken wollte.

Doch die Ängste bestätigten sich nicht, auch wenn sich durchaus viele prominente Schauspieler und Regisseure in München blicken ließen. Geraldine Chaplin, Selma Hayek, Quentin Tarantino oder Claude Chabrol waren alle schon da. In diesem Jahr sind es Werner Herzog ("Fitzcarraldo"), der Independent-Regisseur Richard Linklater ("Fast Food Nation") und William Friedkin ("Der Exorzist"), die als Ehrengäste erwartet werden. Leonardo die Caprio sei bei seinem Besuch in München noch völlig unbekannt gewesen und sei kaum beachtet worden, erinnert sich Ströhl. Er rät deshalb den Besuchern, genau auf den Nachwuchs zu achten, der sehr bald schon berühmt sein könne. "Schenken Sie den jungen Regisseuren ihr Vertrauen", wirbt er.

Über mangelndes Publikumsinteresse muss sich das Münchner Festival nicht beklagen. 1,3 Millionen Menschen hätten das Festival seit 1983 besucht, beruft sich Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) auf die Statistik. Auch Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) hält große Stücke auf das Festival, nicht zuletzt weil er es als gute Werbung für den Medienstandort München sieht. Den "grellen roten Teppich" vermisst der CSU-Politiker nicht: "Es sieht ja schön aus, wenn die Frauen mit tollen Kleidern aufmarschieren, aber mir ist der Film im Saal wichtiger."

Weitere Infos:

www.filmfest-muenchen.de

> Das Filmfest bei Munich online

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