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Auf dem Abschiebeflug nach Afghanistan (v. li.): Guy (Cyril Lecomte), Karzaoui (Medi Sadoun) und José (Ary Abittan). Allerdings stammt Karzaoui gar nicht aus Kabul, weshalb er auch nicht dorthin gebracht werden will.

Regisseurs Philippe de Chauveron

Filmkritik zu „Alles unter Kontrolle“: Allzu unentschieden

Die Idee sei wunderbar – allein, es mangele an der Umsetzung, schrieb unsere Kritikerin über den jüngsten Film von Philippe de Chauveron, „Monsieur Claude und seine Töchter“. Ein Problem, das sich in seinem neuen Werk fortsetzt.

Bereits in „Monsieur Claude“ arbeitete sich de Chauveron an der französischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit Migration ab – wählte dazu aber die harmloseste Komödienform, die man sich nur vorstellen konnte. In „Alles unter Kontrolle“ unterläuft ihm derselbe Fehler. Dabei ist die Geschichte, die er erzählen will, so vielversprechend: Der Pariser Grenzpolizist José muss den straffällig gewordenen afghanischen Migranten Karzaoui abschieben – als „letzte Mission“ vor der ersehnten Versetzung. Doch der angebliche Afghane ist gar keiner und will nachvollziehbarerweise alles, nur nicht nach Kabul, was ihn zu zusehends verzweifelteren Maßnahmen greifen lässt.

Das könnte traurig sein, dramatisch, spannend, durchaus witzig auf eine schwarzhumorige Art und Weise – doch de Chauveron hat sich für klamaukig-ulkig entschieden, was zu ausgesprochen merkwürdigen Szenen führt. So stranden José und sein Gefangener beispielsweise in einem Hotelzimmer auf Malta. Nachts zerrt Karzaouis Gejammer dermaßen an Josés Nerven, dass er ihn kurzerhand an die Heizung kettet und ihm ein riesiges Stück Seife in den Mund stopft. Erst am nächsten Morgen wird der völlig dehydrierte und panische Abschiebehäftling von seiner Qual erlöst – und produziert neckisch-erschöpft eine riesige Seifenblase, deren Zerplatzen die Szene beendet. Soll das witzig sein? Dazu ist es zu banal. Soll das ernst sein? Dazu wird die Folter zu sehr verharmlost. Soll das Satire sein, böser Humor, der einem das berühmte Lachen im Halse stecken bleiben lässt? Dazu ist es nicht lustig genug. Die Flüchtlingskrise, das Sterben auf dem Mittelmeer, die unmöglichen Zustände in den Auffanglagern und die Gewalt, der die Migranten ausgesetzt sind, als Klamauk zu inszenieren – das funktioniert nicht, und schon gar nicht in dieser harmlosen Variante.

Den Schauspielern ist dabei kein Vorwurf zu machen: Ary Abittan, der auch als großer Bruder von Elyas M’Barek durchgehen könnte, gibt sich alle Mühe, seinen zwischen skrupellosem Polizisten und romantisch-geläutertem Weiberheld changierenden José sympathisch wirken zu lassen, und Medi Sadoun hat sichtlich Spaß an seiner Rolle des schlitzohrigen Karzaoui. Beide waren in Nebenrollen auch schon bei „Monsieur Claude“ an Bord, können aber hier wie da gegen den zentralen Konzeptfehler ihres Regisseurs nichts ausrichten: De Chauveron will Missstände anprangern, doch er will eben auch leichte Unterhaltung liefern. Leider hat er sich nicht für eines davon entschieden, sondern versucht, in einer Art Balanceakt beides miteinander zu verbinden. Dieser Kompromiss aber lässt den Zuschauer eher achselzuckend zurück.

„Alles unter Kontrolle“

mit Ary Abittan, Medi Sadoun

Regie: Philippe de Chauveron

Laufzeit: 87 Minuten

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Monsieur Claude und seine Töchter“ mochten.

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