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Kitsch à la Daily Soap versprühen das Schauspiel von Kate Bosworth (Jessie) und Thomas Jane (Mark) – die animierten Schmetterlinge tun ihr Übriges.

Im Ansatz gut, aber...

Filmkritik zu „Before I wake“: Buh!

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München - Die Ansätze sind gut – an der Umsetzung hapert es in Mike Flanagans Möchtegern-Grusel-Melodram „Before I wake“

„Träume sind Gespräche, die wir mit uns selbst führen“, sagt ein Therapeut in „Before I wake“. Und betrachtet man das (Genre-)Kino als eine Art kollektiver Träume – dann ist bemerkenswert, wie sehr der Horrorfilm derzeit nicht mehr von Körperängsten handelt, sondern von Trauma und Trauer. „Before I wake“ ist da ein besonders bewusstes, leider bemühtes Beispiel.

Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) haben ihren kleinen Sohn verloren. Heilung der Seelenwunde erhoffen sie sich mittels eines Adoptivkinds. Der Waise Cody (Jacob Tremblay) aber bringt seine eigene unverarbeitete Vergangenheit mit – und eine außergewöhnliche Gabe: Seine Träume können sich für andere sicht- und berührbar materialisieren. Jessie nutzt das anfangs aus, um den toten Sohn als Trugbild auferstehen zu lassen. Doch gilt Codys Talent auch für seine Albträume – und das dort lauernde Monster „Cankerman“.

Das Frustrierende an „Before I wake“ ist, wie sehr er durchaus Ansätze hätte zu einem feinen Grusel-Melodram – dass er ein wenig uneben erzählt ist, würde man ihm noch gern verzeihen. Doch der ganze Film ähnelt seinem Monster: Die Gedanken dahinter sind gut – das konkrete Design misslungen. Sein Problem ist die plastikartige Glätte seiner Ästhetik. Was helfen ein bedeutungsschwerer Rhythmus und ein paar gut getimte „Buh!“-Schocks, wenn alles andere wirkt wie ein bewegter US-amerikanischer Möbel-Katalog? Wenn die tröstenden Visionen von Schmetterlingen an den Kitsch von Thomas Kinkade-Gemälden gemahnen? Und nichts gegen Bosworth und Jane als Schauspieler – aber wie Mike Flanagan sie einsetzt, mindert das nicht gerade das latente Daily-Soap-Gefühl. Wie aber soll man trauern, bangen, fühlen um etwas, das nie einen Anschein von echtem Leben erweckt?

„Before I wake“

mit Kate Bosworth

Regie: Mike Flanagan

Laufzeit: 97 Minuten

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Oculus“mochten.

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