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Wäre gern jemand anderer, die Frage ist nur: wer? Kristen Stewart als Maureen.

Lebt von der Hauptdarstellerin

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit

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München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.

Da steht sie nun. Designerkleid auf der nackten Haut. Im Luxusapartment ihrer verreisten Chefin. Und während diese junge schöne Frau noch das Paar Stilletto-Heels über ihre Füße streift, singt Marlene Dietrich aus der Lautsprecherbox das „Hobellied“. Ein Wiener Couplet über die Gleichheit der Menschen in Angesicht von Schicksal und Tod.

Olivier Assayas „Personal Shopper“ ist gewissermaßen die moderne, ins Kino versetzte Variante von Ferdinand Raimunds Lied. Im Zentrum: eben jene schöne Maureen (Kristen Stewart). Stewart hat bereits in Assayas „Die Wolken von Sils Maria“ brilliert, wurde dafür mit dem César belohnt – und erhielt nun von dem französischen Regisseur erneut die Chance, ihr Talent für Charakterrollen zu beweisen. Sie hat sie genutzt. Scheint ganz und gar verwandelt in die US-Amerikanerin, die in Paris davon lebt, für eine reiche Berühmtheit Einkäufe zu erledigen. Maureen hasst den Job. Er dient ihr allein dazu, die Miete bezahlen zu können. Denn in Paris ist ihr Zwillingsbruder verstorben – sie, die sich als Medium begreift, hofft, Kontakt mit ihm aufnehmen zu können.

Der Film hat in Cannes den Preis für die beste Regie gewonnen, wird gefeiert als mutiger Mix aus „Geisterfilm“ und „Psychothriller“. Vordergründig passen die beiden Begriffe sicherlich. Maureen macht sich im Haus des Verstorbenen auf Gespensterjagd, erhält wenig später eine SMS von einem Unbekannten, der sich als mordender Stalker entpuppt. Das eigentliche Thema aber ist die Einsamkeit einer Frau, die seit dem Verlust des Zwillings selbst aufgehört hat, ihr Leben zu leben. Wie ein Geist wandelt sie durch Luxusboutiquen, kommuniziert mit ihrer Chefin nur via Telefon, auch ihr Freund ist allein per Skype für sie greifbar. In einer Welt, in der jeder dauer-kommunikationsbereit ist, aber niemand mehr kommuniziert, sucht Maureen auf einer anderen Ebene Kontakt, Sinn, Erfüllung. Es ist eine Ein-Frau-Show, die von Stewarts Talent getragen wird. Ohne sie hätte die Arbeit in eine Geisterfilm-Persiflage abrutschen können. So ist es – mit einigen Längen – das Porträt einer Frau, die ihr Leben auf später verschiebt, auf Zeichen aus dem Jenseits wartet, ohne zu merken, dass die Antwort nach dem richtigen Weg wie so oft nur in einem selbst zu finden ist. 

Katja Kraft

„Personal Shopper“

mit Kristen Stewart, Lars Eidinger Regie: Olivier Assayas

Laufzeit: 110 Minuten

Annehmbar

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