Filzstifte nach Farben sortiert

- Achtung! Dieser Film ist eine Zeitmaschine. Wer sich nie für Komödien-Klassiker vom Kaliber Katherine Hepburn und Spencer Tracy oder auch nur Doris Day und Rock Hudson erwärmen konnte, sollte von "Laws of Attraction" tunlichst die Finger lassen. Erwähnte Vorbilder sind in Peter Howitts Regie nämlich deutlich zu entdecken.

<P>Sämtliche damit verbundenen Klischees und Stereotypen ebenfalls. Dass diese auf den ersten Blick eher angestaubte romantische Screwball-Komödie trotzdem funktioniert, liegt nahezu ausschließlich an den beiden Hauptdarstellern Julianne Moore und Pierce Brosnan, die mit einer glühenden Leidenschaft spielen und dazu noch besser aussehen als Mrs. Hepburn und Mr. Tracy damals. Moore mimt die biedere, aber enorm erfolgreiche New Yorker Scheidungsanwältin Audrey. Schneidig, energisch, aalglatt. Keinen einzigen Prozess hat sie bislang verloren, aber ihre Filzstifte sortiert sie nach Farben. Nun findet sie ihren schärfsten Konkurrenten im smarten Kollegen Daniel, der verknautscht und verkatert im Gerichtssaal erscheint, Audreys wohl vorbereitete Strategien aber eher nebenbei in sämtliche Einzelteile zerpflückt.<BR><BR>Beide müssen ein Rockmusikerpärchen vertreten, das sich scheiden lassen will. Und weil sich bei den lautstarken und enorm reichen Streithähnen alles um ein Schloss in Irland dreht, das keiner von beiden dem anderen überlassen möchte, reisen die Anwälte mit ihrem Mandanten nach Irland. Bei viel Volksfest, Tanz und Whisky kommt man sich dann allmählich näher.<BR><BR>Den Drehbuchautoren bereitete es sichtlich Probleme, den klassischen 40er-Jahre-Plot in der Gegenwart zu verankern: Keine Single-Frau in ganz New York würde heute wohl noch derart übertrieben reagieren, wenn sie frühmorgens bekleidet neben einem fremden Mann im Bett aufwacht. Da durfte Doris Day noch mit den Augen rollen; derlei Hysterie wirkt mittlerweile unangebracht. Ähnlich unpassend modernisierte Szenen gibt es einige. Und man merkt Julianne Moore an, wie schwer ihr das Anspielen gegen dieses reaktionäre Frauenbild gefallen sein dürfte. Brosnan, der ja schon in einigen James-Bond-Filmen misslungene Dialoge aufsagen musste, schlägt sich hier mit sichtlich mehr Würde durchs Drehbuch. Was diesen Film letztlich doch ansehenswert macht, sind der Charme und das Tempo, mit dem sich die zwei Winkeladvokaten bekriegen, bis sie sich kriegen. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Cadillac, Tivoli.)<BR>>> alle Filme, alle Kinos auf einen Blick bei munich online 

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