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In „Fliegende Liebende“ verlieren Flugzeugpersonal und Passagiere nicht nur ihre Nerven, sondern auch ihr Schamgefühl. Und nebenbei droht der Flieger abzustürzen.

"Fliegende Liebende": Schrille Luftnummer

München - Mit seinem neuesten Werk „Fliegende Liebende“ kehrt Regisseur Pedro Almodóvar zu seinen komödiantischen Höhen zurück - allerdings mit einigen Luftlöchern. Unsere Filmkritik:

Seit vierzig Jahren macht der spanische Regisseur Pedro Almodóvar Filme. Der schrille, überdrehte Ton, die Offenherzigkeit, die absurden Momente und die smartiesbunte Optik gehörten in den Anfangsjahren dazu und wurden in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ oder „Kika“ zum Erkennungszeichen. Mit aktuelleren Filmen wie „Sprich mit ihr“ oder auch dem Schönheitschirurgen-Epos „Die Haut, in der ich wohne“ sind die Farben dunkler geworden, aus den farbenfrohen Spektakeln mit mehr oder weniger Substanz wurden düstere Dramen mit weltumspannenden Aussagen.

Jetzt scheint sich Almodóvar auf seine Wurzeln und früheren Alleinstellungsmerkmale zu besinnen. So knallig, frech und mit explizit schwulen Figuren bestückt waren seine Filme seit über 15 Jahren nicht mehr. Auch die Darsteller sind – neben Shootingstars der Iberischen Halbinsel – alte Bekannte des Almodóvar-Kosmos: Javier Cámara („La mala Educación – Schlechte Erziehung“ und „Sprich mit ihr“), Cecilia Roth aus „Alles über meine Mutter“, Lola Duenas („Zerrissene Umarmungen“, „Volver“) oder auch die längst zu Superstars avancierten Stammspieler Penélope Cruz („Live Flesh – Mit Haut und Haar“, „Volver“) und Antonio Banderas („Fessle mich!“).

Gelungene Satire mit Luftlöchern

„Fliegende Liebende“ mutet an wie eine Lockerungsübung zwischendurch. Der seriös gewordene Almodóvar besinnt sich auf seine Anfänge und zeigt allen, wie temporeich, derb, deftig, schrill und respektlos eine Satire zu sein hat. Aber auch, wie viel Schwung und Lebensfreude in einem Film über ein eventuell abstürzendes Flugzeug enthalten sein kann. Man muss allerdings ein Fan seiner frühen Filme sein, um an „Fliegende Liebende“ Spaß haben zu können. Die schräge Geschichte um drei Flugzeugstewards, die ihre Gäste mit Schlafmitteln außer Gefecht setzen, um während eines Langstreckenfluges nach Mexiko ihre Ruhe vor den nervigen Holzklasse-Passagieren zu haben, birgt viele Luftlöcher. Doch angesichts der großartigen Darsteller und ihrer Spielfreude bemerkt man nur selten, wie leicht dieses Nichts an Inhalt eigentlich ist.

von Ulrike Frick

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