Folklore-Klischees

- Georges Bizet in den Townships von Kapstadt, "Carmen" unter den Gestrandeten der Armenviertel, ein Engländer verfilmt eine in Spanien spielende, französische Oper mit Afrikanern: Das ist immerhin etwas Ungewöhnliches. Der südafrikanische Streifen "U-Carmen ekhayelitscha" von Mark Dornford-May erzählt wie Bizet von Liebe, Hass, Eifersucht und Rache. Seine Figuren singen Xhosa, und der Versuch, die Handlung in die Gegenwart, unter die Arbeiter einer Zigarettenfabrik zu versetzen, hat ihren Reiz, zumal man dokumentarische Kurzeindrücke vom Leben in den Townships erhält.

Doch zu bieder ist die Übertragung, zu hölzern die Inszenierung: Zur Musik aus dem Off stehen die Akteure dröge in der Gegend herum. Oft bewegen sie nicht einmal synchron ihre Lippen. Dornford-May will Traditionen einer Stammesgesellschaft mit alteuropäischer Hochkultur zu einem eigenwilligen Gebräu zusammenführen. Doch was bleibt, sind folkloristische Klischees.

Vor zehn Monaten bekam "U-Carmen ekhayelitscha" zu aller Überraschung den Goldenen Bären der Berlinale. Manchmal verändern Sieger eines Festivals den Blick aufs Kino und auf das Leben so wie einst Zhang Yimous "Das Rote Kornfeld". Und manchmal geraten sie einfach nur in Vergessenheit.

So ist es, zu recht, mit "U-Carmen ekhayelitscha" geschehen. Im Rückblick waren es vielleicht politische Länderpunkte, die da vergeben wurden, oder die gönnerhafte Ansicht, für einen afrikanischen Film sei das alles ja ganz passabel. Aber mit solcher Haltung ist dem siechen Kino des Schwarzen Kontinents genauso wenig geholfen wie mit politischer Korrektheit. Wer für afrikanische Filmmacher wirklich etwas tun will, muss sie ernst nehmen. Und das bedeutet im Fall von "U-Carmen", auch zu konstatieren, dass dies - eigenständige Filmsprachen hin, kulturelle Eigenheiten her - einfach ein schlechter Film ist.

(In München: Atelier.)

"U-Carmen ekhayelitscha"

mit Pauline Malefane, Andile

Tshoni

Regie: Mark Dornford-May

Unerträglich

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