Filmkritik und Kinotrailer

„It follows“ bedient sich am Horrorfilm der 80er

David Robert Mitchells großartiger Film „It follows“ bedient sich beim Horror-Kino der Achtzigerjahre – und ist doch ganz anders.

Dass auf den Sex der Tod folgt, ist in Horrorfilmen wahrlich nichts Außergewöhnliches. In „It follows“ geschieht das sogar fast buchstäblich: Ein Date der 19-jährigen Jay (Maika Monroe) endet mit Schrecken – ihr Liebhaber enthüllt, dass ihr von nun ab eine tödliche Macht auf den Fersen ist. In wandelnder, unvorhersehbarer Menschengestalt. Gemächlich, aber völlig unerbittlich. Einzige Chance, sie loszuwerden: den Fluch mittels Sex weiterzugeben.

David Robert Mitchells großartiger zweiter Film bedient sich ganz offen beim Horror-Kino vor allem der Achtzigerjahre – von seinen Motiven über die äußerst bewusste Bild- und Schnittgestaltung bis zum genialen John-Carpenter-Gedächtnis-Soundtrack von Disasterpeace. Und doch ist alles anders. Er schert sich nicht um puritanische Moral und Körperängste. „It follows“ dreht sich um eine ganz andere Verlust von Unschuld. Sex im Teenageralter ist ihm ein Übergangsritual, das einhergeht mit der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit. Das Unheimliche ist in diesem Film keine Bestrafung für falsches Verhalten – es ist das Wissen, dass da draußen, in unvorhersehbarer Gestalt, gemächlich aber völlig unerbittlich, irgendwann der Tod auf einen zukommt.

„It follows“ ist ein Film über das Teenager-Sein, über einen Zustand des Übergangs. Er zitiert T. S. Eliot und „Der Idiot“ – die Klischee-Erweckungserlebnisse jedes Highschool-Intellektuellen. Er ist – ähnlich wie Rian Johnsons „Brick“ – angesiedelt in einer Welt, die leicht verschoben ist zu unserer Realität: ausgestattet zugleich mit Röhrenfernsehern, Videorecordern, aber auch futuristisch-muschelförmigen E-Readern, mit Postern fiktiver Bands, nicht-existenten Cola-Marken. Eine Welt fast völlig getrennt von jener der Erwachsenen. In der Jay und ihre Freunde mit den Fragen von Leben und Tod klarkommen müssen. „It follows“ beherrscht schon auch die Schockmomente des Genres. Doch es ist nicht die Angst, die bei diesem Film die wahre Lust macht: Es ist sein schwer greifbares, so leichtes wie tiefes Gefühl eines letzten Sommers der Unschuld. Nicht zufällig ist Wasser eins seiner Leitmotive: Es ist ein Gefühl, in dem man treiben kann – aber auch untergehen. 

Thomas Willmann

„It follows“

mit Maika Monroe, Keir Gilchrist 

Regie: David Robert Mitchell 

Laufzeit: 100 Minuten

Rubriklistenbild: © snacktv

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