Fotos oder Tütensuppe

- Armin Rohde (50) ist seit zwei Jahrzehnten eine feste Größe des deutschen Films, auch wenn er oft nur Nebenrollen übernimmt. Dem Rheinländer gelingt es in wenigen Minuten, einem Film seinen Stempel aufzudrücken. In "Die Bluthochzeit" hat Armin Rohde, der am Bochumer Schauspielhaus engagiert ist, "ausnahmsweise" eine Hauptrolle. Der Film handelt von einer Hochzeitsfeier in einem Landgasthof, die zum Albtraum wird.

<P class=MsoNormal>Endlich einmal eine große Filmrolle: Liegt es daran, dass Ihnen die Angebote nicht zusagen?<BR>Rohde: Das kommt vor. Und es ist eben so, dass die so genannten Nebenrollen die interessanteren waren. Ich hasse das Wort übrigens. Ich nenne das lieber Charakterrolle. Außerdem hatte ich oft keine Zeit, weil ich am Theater arbeite. Die Qualität einer Rolle bemisst sich für mich nicht am Umfang des Textes oder wie lange man auf der Leinwand zu sehen ist. Manchmal erinnert man sich nach einem Film nur an diesen einen Typen, der einmal im Bild war und im richtigen Moment was Gutes gesagt hat.</P><P class=MsoNormal>Das klingt, als würden Sie Kino nicht so hoch schätzen wie das Theater.<BR>Rohde: Kino ist eine ganz andere Art von Arbeit. Und mittlerweile gefällt es mir sehr gut, wie man mit geringsten Mitteln viel erreichen kann. Es reicht, den Kopf leicht zu neigen, und es ist klar: Ich kann mein Gegenüber nicht leiden. Im Theater muss ich viel mehr anstellen.</P><P class=MsoNormal>Sie haben es bemerkenswert unauffällig geschafft, zu einem der meistbeschäftigten Schauspieler der deutschen Film- und Fernsehszene zu werden. Wie erklären Sie sich das?<BR>Rohde: Weil ich gute Arbeit abliefere. Wenn man mich besetzt, weiß man, dass man was Gutes kriegt. Das darf man in Deutschland eigentlich nicht sagen. Hier muss man immer kokettieren: "Ach, Sie finden mich wirklich gut?" Ich bin ein Mann von 50 und mache den Beruf seit 25 Jahren. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Zuverlässigkeit ist übrigens auch sehr wichtig. Ich bin pünktlich, ich kann meinen Text. Wer mich nicht besetzt, ist selber schuld.</P><P class=MsoNormal>Manchmal hat man den Verdacht, Sie werden als Allzweckwaffe eingesetzt, um Filme zu retten.<BR>Rohde: Den Begriff empfinde ich als Kompliment. Ich nehme mir aber nie vor, eine große Nummer abzuziehen, um den Film sozusagen zu stehlen. Ich will das Beste aus meiner Rolle machen, einen anderen Vorsatz hab' ich nicht. Und die Arbeit soll mir Spaß machen. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Ich arbeite nicht mehr mit Leuten, bei denen es keine Freude bringt. Und wenn es mich weltberühmt machen würde.</P><P class=MsoNormal>Den Luxus können sich nicht viele leisten.<BR>Rohde: Deswegen bin ich auch so wütend über Hartz IV. Vielleicht war das gut gemeint, aber so wie die Reformen durchgesetzt werden, sind sie beschämend und dilettantisch. Da werden Menschen ausgegrenzt und chancenlos gemacht. Die können es sich nicht einmal mehr leisten, Bewerbungen rauszuschicken. Sie haben die Wahl, Passfotos zu machen oder Tütensuppe zu kaufen. Es trifft viele Kollegen, deswegen bin ich so heftig. Wenn man als Schauspieler keine Angebote kriegt, muss man durchs Land fahren und sich mit Produzenten treffen. Aber jetzt kann man sich ja nicht mal mehr das Bahnticket leisten. </P><P class=MsoNormal>Das Gespräch führte Zoran Gojic</P>

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