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Fragen, die gefangen nehmen

Tragikomischer Film "Irina Palm": - Die britische Sängerin und Pop-Ikone Marianne Faithfull ist von heute an in der Tragikomödie "Irina Palm" von Sam Gabarski zu sehen.

Da steht Maggie (Marianne Faithfull) also vor dem schmierigen Halbweltler Mikky (Miki Manojlovic) und lässt sich erklären, wie man Männer mit nur einer Hand glücklich machen kann. Maggie gefällt das zunächst gar nicht, schließlich ist sie eine ehrbare Witwe jenseits der 50. Aber andererseits kann sie von Ehre allein nicht die lebensnotwendige Operation für den todkranken Enkel zahlen.

Also tut Maggie, wozu ihre Sorge um das Kind sie zwingt, und erlangt schnell unter dem Künstlernamen Irina Palm den Ruf einer besonders einfühlsamen "Handentspannerin". Irritierend leichtfüßig, mitunter geradezu sorglos lässt Regisseur Sam Gabarski seine Geschichte beginnen, und lange sieht "Irina Palm" wie eine leicht frivole Komödie für Erwachsene aus. Aber bald schleichen sich Schatten in den Film, und sie werden immer länger.

Je schneller sich der Ruhm des neuen Rotlicht-Stars vermehrt, desto mehr gerät das bürgerliche Leben von Maggie aus der Balance. Der Sohn wird misstrauisch, die Nachbarn ohnehin, und bald muss Maggie erfahren, dass Arbeit, gleichgültig wie hart, nicht immer gewürdigt wird. Ihre mühsame Handarbeit jedenfalls bringt sie in Schwierigkeiten, aber das erweist sich letztlich als Glücksfall für sie.

Denn die Anfeindungen zwingen sie - zum ersten Mal in ihrem Leben - Stellung zu beziehen, und zwar für sich. Es geht nicht alles gut aus, und es bleibt ein bittersüßer Beigeschmack, aber eben das macht den Reiz dieses Films aus.

So war das schon bei Gabarskis Durchbruch "Der Tango der Rashevskis", in dem er abgeklärt und doch leidenschaftlich Irrungen und Wirrungen einer französisch-jüdischen Familie auf der Suche nach ihrer Identität nachgezeichnet hatte. Es gibt also keine Antworten, aber berechtigte Fragen, die jeder Zuschauer für sich beantworten muss.

Gabarski, übrigens gebürtiger Bayer aus Planegg, erweist sich als virtuoser Fragensteller, der einen Blick für das Wesentliche hat, ohne dabei dogmatisch oder gar didaktisch zu werden.

Wie er fast beiläufig grundlegende gesellschaftliche Probleme anstößt, ist wunderbar unaufgeregt in Szene gesetzt. Dass diese kleine, subversive Fabel funktionieren kann, liegt natürlich auch an der Hauptdarstellerin Marianne Faithfull. Ihre Stärke ist, dass sie keine Schauspielerin ist. Sie spielt diese Figur nicht, sie verkörpert sie im wahrsten Sinne des Wortes - und macht sie so glaubwürdig.

Eine vom Leben gebeutelte Frau, die sich jedoch nicht abschreiben lassen will und deshalb um ihre Würde ringt - das ist immer auch Marianne Faithfull, und man kann sich diesen Film beim besten Willen nicht mit einer anderen Darstellerin vorstellen. "Irina Palm" ist ein todtrauriges Lustspiel, das so fantastisch und lebensnah ausgefallen ist, dass man vollkommen begeistert ist und sich nach dem Abspann ungeduldig nach dem nächsten Film von Sam Gabarski sehnt. (In München: Mathäser, Arri, City, Tivoli, Atlantis OmU, Cinema OV.)

"Irina Palm"

mit Marianne Faithfull, Jenny Agutter, Miki Manojlovic

Regie: Sam Gabarski

Hervorragend *****

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