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Franz Xaver Bogner

Zum Geburtstag von Franz Xaver Bogner

Immer auf dem richtigen Gleis

München - Franz Xaver Bogner wird heute 60 Jahre alt. Anlass für eine Zeitreise mit dem Autor und Regisseur an die Orte im Landkreis Erding, an denen einst seine Kultserie "Irgendwie und Sowieso" zu leben begann.

"Da san s’ gsessn!" Im historischen Saal des Gasthofs Klement in Isen (Landkreis Erding) sagt Franz Xaver Bogner diesen Satz, als sei das, was vor fast 25 Jahren für die Kamera inszeniert wurde, Realität gewesen. Und für viele Zuschauer ist "Irgendwie und Sowieso", Bogners Opus magnum über das Jahr 1968 auf dem Land, längst eine Art Dokumentarfilm. Der Sir Quickly, die Christl, der Sepp, der Effendi - irgendwie muss es die tatsächlich gegeben haben. Warum sonst sind die Drehorte von einst zu Wallfahrtsorten geworden, die die Liebhaber der Serie gerne besuchen?

Jetzt, zu seinem 60. Geburtstag, hat sich auch der Regisseur mit dem Reporter auf den Weg gemacht zu einigen Sets, an denen im Jahr 1985 die Kultserie mit Ottfried Fischer, Olivia Pascal, Elmar Wepper, Robert Giggenbach und anderen entstand. Im Klement-Saal in Isen wurden die Szenen von der Geburtstagsfeier vom Sir gedreht. Der Wirt ist längst ein anderer, und trotzdem kommt man sofort ins Gespräch, es geht ausgerechnet um den Denkmalschutz.

Geschichten aus einem Rathaus erzählt Franz Xaver Bogner in "Der Kaiser von Schexing" mit Dieter Fischer. Neue Folgen sind abgedreht. Sendetermin im Herbst.

Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, um das Gasthaus herum hat sich viel verändert. "Als wir hier im Herbst ,Der Kaiser von Schexing‘ gedreht haben, hat das da noch gestanden." Bogner deutet auf die Reste eines Abbruchhauses schräg gegenüber. "Aha, ham s’ des a weggrissn" - diesen Satz wird der 59-jährige gebürtige Plieninger (Landkreis Ebersberg) noch mehrmals an diesem Vormittag sagen. Sachlich, fast ein wenig belustigt: "Wer die Leute dafür verurteilt, dass sie modernisieren, muss selbst sicher nicht in einem Altbau leben."

Mit Musik geht alles besser: Sir Quickly (Ottfried Fischer) motiviert seine Rindviecher akustisch  . . .

Der Bahnübergang bei Dorfen, an dem der Sir in "Irgendwie und sowieso" am Steuer des für ihn ungewohnt sperrigen Reisebusses (sonst fährt er Moped) Straße und Schienen blockiert, existiert noch so gut wie unverändert. Bogner macht ein paar Schritte auf dem Bahndamm, für ihn ist das ein "Déjà vu" im doppelten Sinn. Der Sohn eines Eisenbahners wuchs auf im (längst abgerissenen) Bahnwärterhaus von Markt Schwaben, hatte die Gleise Tag und Nacht vor der Nase: "Ich hatte schon immer eine Affinität zu Zügen und zu den Menschen, die drin sitzen."

Dem Schlachthofviertel setzte Franz Xaver Bogner mit der 44-teiligen Serie "Zur Freiheit" (mit Ruth Drexel und Toni Berger) ein Denkmal. Sie lief erstmals 1987.

Und eine Affinität zum Film. Für den jungen Bogner war klar, dass für ihn nur der Beruf des Regisseurs in Frage kommt. Und so absolvierte er nach einem Praktikum bei einer Filmfirma eine Ausbildung an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Nach einigen Dokumentationen dann - durch Zufall - mit "Familie Meier" die erste BR-Serie: "Das hab’ ich noch übernommen, weil der ursprünglich dafür vorgesehene Regisseur plötzlich unauffindbar war." Sagt er und lacht sein typisches Lachen, mit ins Falsett kippender Stimme.

Den Szenen einer Kleinbürgerfamilie folgte mit "Zeit genug" die erste Produktion, bei der Bogner sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte. Mit dabei bereits Toni Berger, der spätere Martin Binser aus "Irgendwie und Sowieso". Es geht hier um einen Generationenkonflikt, und irgendwie handelt davon auch sein bis heute spektakulärstes Werk.

Die Zeit der eigenen Jugend, die Musik, die Rebellion gegen das Alte - sogar der Autor selbst bleibt vage, wenn’s um die Quintessenz der Handlung von "Irgendwie und Sowieso" geht und um die Frage, welche der Figuren ihm damals selbst am nächsten stand. Fest steht dagegen, dass der Sender ihm Zeit genug gab, die Geschichte zu entwickeln: "Und da Otti hat mitgsponna."

Die Technik der Besetzung verrät viel von dem, was Bogners Arbeit charakterisiert: "Ich hab’ die Darsteller immer schon im Kopf, bevor ich die Szenen schreibe. Ich schreibe sie ihnen sozusagen auf den Leib. Da muss ich keinem was vorspielen." Die totale Kontrolle liegt ihm sowieso nicht. Lieber schafft er eine entspannte Atmosphäre, die es den Schauspielern ermöglicht, ihre Leistung zu bringen: "Ein Regisseur darf kein Schleifer sein."

Noch so ein Wallfahrtsort - der Hof irgendwo zwischen Dorfen und Grüntegernbach, auf dem Sir Quickly den Stall bunt anmalt und seine Kühe mit den Beatles beschallt. Die "Fresken" gibt’s da noch immer. Und als der Eigentümer, der zur Zeit der Dreharbeiten noch ein Bub war, erzählt, dass im Sommer bald alle zwei Wochen "Irgendwie und Sowieso"-Fans bei ihm klingeln und den Stall sehen wollen, schüttelt der Regisseur lachend den Kopf: "Wenn de nix Bessers zum Doa ham."

Das ist ein bisschen kokett. Tatsächlich freut sich Bogner sehr darüber: "Es gibt doch kein schöneres Kompliment für eine Serie, als wenn Zuschauer Fanclubs bilden." Und als ob er sofort jeden Verdacht des Populismus zerstreuen wolle, fügt er hinzu, dass er beim Drehen - ob es sich nun um "Café Meineid", "München 7" oder "Der Kaiser von Schexing" handelt - nicht ständig ans Publikum, an die Wirkung denke. Aber "man muss einen Nerv treffen, damit die Leute Lust haben, sich das anzuschauen".

Von "Café Meineid" mit Erich Hallhuber als Richter (r., mit Christian Lerchenberg und Erni Singerl) wurden zwischen 1990 und 2003 insgesamt 147 Folgen gedreht.

Franz Xaver Bogner ist kein Theoretiker, aber ein Gesetz seiner Kunst formuliert er dann doch: "Je kleiner der Irrsinn, desto besser die Geschichte." Ein Satz wie ein Bonmot, rätselhaft wie der Zauber, der seinem Werk innewohnt. Da sitzt er mit dem Reporter schon in St. Wolfgang beim "Schex" (dem unbewussten Namensgeber der jüngsten Serie), schaut und hört sich unauffällig um. Eine Gaststube voller Geschichten.

Dass die Menschen Lust haben, seine Serien zu sehen, ist für Bogner schlicht "a wahnsinnigs Glück" - und das klingt nun überhaupt nicht kokett. Als Autor und Regisseur einen eigenen Stil entwickelt zu haben, mit dem er auch noch Erfolg hat - ein Traum. Weshalb es auch schlicht sein Traum ist, den Beruf noch eine Weile ausüben zu können. Nach den Serien hat Bogner mal wieder Lust auf einen Neunzigminüter - über "ein paar verrückte Alte".

Die Generation der 30- bis 55-Jährigen sei eigentlich die langweiligste, "weil da alle vor allem ihre Pflicht erfüllen müssen. Erst danach wird’s wieder spannend." Franz Xaver Bogner lacht wieder sein typisches Lachen. Es ist das Lachen eines Menschen, der irgendwie das Glück hatte, schon immer ein bisschen verrückt sein zu dürfen.

Rudolf Ogiermann

Franz Xaver Bogner im Bayerischen Fernsehen:

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