Frau in Action

- Sie lebt. Wem beim Betrachten der Stunt-Orgien des neuen "Lara Croft"-Films ernsthafte Zweifel gekommen sein mochten, ob es sie überhaupt gibt, oder ob es sich doch nur um eine Computeranimation handelt, der kann beruhigt werden: Angelina Jolie steht gemeinsam mit Regisseur Jan de Bont und Co-Star Til Schweiger leibhaftig im Münchner Hotel "Vier Jahreszeiten". "Ich habe den ersten ,Tomb Raider-Teil nicht sehr gemocht. Diesmal komme ich mir viel realer vor", ergänzt sie. Und wer möchte da in der gepflegten Hotelatmosphäre widersprechen?

<P>Während Jolie geduldig auf der Pressekonferenz Auskunft gibt, stellt sich einmal mehr ein bekannter Effekt ein: Die junge Frau wirkt überraschend zierlich neben dem Plakat, das sie gestählt und wie aufgepumpt im hautengen Taucheranzug zeigt. Hinter diesem bloßen Pin-up scheint kaum noch Platz für Schauspielkunst oder gar Persönlichkeit zu sein.<BR><BR>Ein wenig zumindest korrigierte Jolie in München diesen Eindruck, allein schon durch die Art und Weise, wie sie auch bei den indiskretesten Fragen der Klatschpresse Würde und Haltung wahrte. "Lips on Legs", Lippen auf Beinen nennt man die 1975 geborene Tochter des Charakterdarstellers Jon Voight in ihrer Heimat.</P><P>Ganz unschuldig ist sie an derlei despektierlichen Urteilen nicht, hat sie doch bisher zumeist Rollen gespielt wie eben die Heldin des Computerspiels "Tomb Raider", die ihr mehr Gelegenheit zum Ausstellen ihrer körperlichen Reize gaben als zum Gewinnen von Filmpreisen. Davon ebenso unbeeindruckt wie vom vergleichsweise mäßigen Kassenerfolg der beiden Croft-Filme bestand Jolie in München freilich darauf, dass es sich auch bei Lara Croft um eine Figur von ernsthaftem Format handele: "Sie hat einen starken Sinn fürs Abenteuer, ist unvorhersehbar, vielleicht etwas verrückt, aber sie fühlt sich auch einsam."<BR><BR>Bevor nun irgendeiner versucht war, den Film mit dem Mammuttitel "Lara Croft: Tomb Raider - Die Wiege des Lebens" auf eine Ebene mit Shakespeares Dramen zu stellen, rückte Jan de Bont die Dinge wieder zurecht. "Natürlich sind Figuren wie James Bond und Indiana Jones Vorbilder für uns", so der 59-jährige gebürtige Niederländer. Er begann als Kameramann, arbeitete oft mit seinem Landsmann Paul Verhoeven zusammen ("Türkische Früchte", "Basic Instinct"), später auch mit Ridley Scott ("Black Rain").<BR>Erst ab 1994 führte er selbst Regie. Schon die Titel seiner bekanntesten Filme - "Speed" und "Twister" -, verraten die Grundrichtung seiner Arbeit: De Bont ist in erster Linie Spezialist für Action. </P><P>Am interessantesten wird das Gespräch mit ihm, wenn man auf die Frage kommt, was gute Actionfilme ausmacht: "Es geht auch hier um die Charaktere", betont er, "sie müssen gerade die unglaubwürdigsten Momente tragen". Von jedem Film, meint er, blieben am Ende "nur zwei, drei Szenen" im Gedächtnis. "Welche das sein werden, kann man nicht vorherbestimmen."<BR><BR>Im Gegensatz zu früheren Zeiten seien Frauen in Actionfilmen heute keine Grenzen mehr gesetzt. Fast keine: "Lara darf alles. Nur in der Liebe nicht. Wenn ich ihr so viele Sexpartner verpasst hätte wie James Bond, hätte dies das Publikum nie akzeptiert."</P><P> </P><P> </P>

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