Die Frau mit den passenden Maßen

- Ein Mann lebt einsam vor sich hin. Sein Zuhause ist voller Schallplatten, ein Zimmer überdies vollgestopft mit Damenbekleidung der teuersten Firmen und derselben Konfektionsgröße. Per Annonce sucht der Mann eine Frau mit entsprechenden Maßen . . . Durch seine fantastischen Geschichten wurde der Japaner Haruki Murakami zum Kultautor. Wer seine Texte kennt, weiß, wie filmisch er erzählt. Ganz offen gesteht er, der einst an der Filmhochschule studierte, wie sehr er vom Kino beeinflusst ist.

<P>Jun Ichikawa gelingt dieser erste Versuch, Murakami zu verfilmen, hervorragend. "Tony Takitani" ist ein visueller Film, nie wird er "literarisch". Das ist einer glänzenden Kamera zu verdanken, die ständig in Bewegung bleibt, die die Verlassenheit Tonys und die Unübersichtlichkeit seines Lebens in Bilder fasst. Schwerelos gleitet sie wie Tony durch die Welt, fängt ihre Figuren manchmal nur am Bildrand ein, und so geschehen noch die größten Dramen wie nebenbei. Bevor Tony sein Gesuch aufgibt, sehen wir, wie er Eiko kennen lernt, mit der ihm die ersehnte Zweisamkeit gelingt. Aber auch Eiko leidet unter einer unstillbaren Sehnsucht, der sie in ihrer Sucht nach Mode entkommt. Dann stirbt Eiko, Tony gibt seine Annonce auf. Da kommt es zum "Vertigo"-Effekt: Eine Frau erscheint, die so aussieht, wie die, die Tony verloren hat. Oder bildet er sich das nur ein? "Tony Takitani" bewahrt nicht nur den hypnotisch-diskreten Charakter von Murakamis Erzählung, er enthüllt deren verborgene Bilder. <BR><BR>(In München: Eldorado, Monopol, Theatiner.) <BR><BR>"Tony Takitani"<BR>mit Issey Ogata, Rie Miyazawa<BR>Regie: Jun Ichikawa<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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