Frau am Scheideweg

- "Frau fährt, Mann schläft" ist ein Film über eine Familie. Eine enorm glücklich anmutende Vater-Mutter-Tochter-Sohn-Konstellation, die aus der Fernsehreklame zu stammen scheint und deswegen auch in einer TV-Sendung als Musterbeispiel vorgeführt wird. Eigentlich ist es aber ein Film über Hannelore Elsner. Nur über Hannelore Elsner.

<P>Und das ist zu wenig für 122 Minuten, auch wenn die Schauspielerin hierzulande zu den Besten gehört. Regisseur Rudolf Thome erzählt in dem zweiten Teil der "Zeitreisen"-Trilogie seine recht sperrigen Szenen einer Ehe.</P><P>Mutter Sue Süßmilch (Elsner) will die Seitensprünge ihres Gatten Anton Bogenbauer (Karl Kranzkowski) nicht mehr tolerieren. Die Kinder streben aus dem Haus. Aber erst der überraschende Tod des Sohnes wirkt als Katalysator. </P><P>Eine intakte Familie zu zeigen, hinter deren Fassade es lange schon brodelt, ist reizvoll. Welche Mechanismen wirken hier? Wie lange ist das Pflichtbewusstsein den Kindern gegenüber stärker als der Wunsch, eigene Bedürfnisse verwirklichen zu können? Woran liegt es, dass der Mensch, den man einmal als Lebenspartner erwählte, den Ansprüchen nicht mehr genügt?</P><P>Thome reißt alle diese Überlegungen an, formuliert jedoch keinen Aspekt deutlicher aus. Stattdessen konzentriert er sich auf seine weibliche Hauptfigur und filmt jede Gefühlsregung von Elsners Gesicht ab. Thome verschenkt dadurch die Möglichkeit, das zu Beginn von "Frau fährt, Mann schläft" so klug und spannungsreich begonnene Porträt einer langsam zerfallenden Familie weiterzuspinnen. Die Regie verliert sich in langen, gedehnten Einstellungen und mitunter arg gedrechselten Dialogen im schon oft gesehenen Plot "Frau mittleren Alters am Scheideweg". Und das hat man schon pointierter formuliert gesehen.</P><P>Frau fährt, Mann schläft <BR>mit Hannelore Elsner, Karl<BR>Kranzkowski<BR>Regie: Rudolf Thome<BR>Annehmbar <BR></P>

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