Das Klo zur Freiheit

- Der Terminator, Lara Croft, Charlie's Engel und all die anderen Superhelden des Kinos mussten sich dieses Jahr einem kleinen Fisch geschlagen geben. Völlig überraschend wurde nämlich "Findet Nemo", die komplett Computer-animierte Odyssee eines Fischvaters auf der Suche nach seinem verloren gegangenen einzigen Sohn, in den USA mit einem Einspielergebnis von sagenhaften 340 Millionen Dollar zum erfolgreichsten Streifen des Jahres.

<P>Das Trickstudio Pixar verdankt diesen erneuten Triumph denselben Tugenden, die auch schon "Toy Story" und "Monster AG" auszeichneten - die Herren der Prozessoren sehen im Computer einfach nur ein Mittel, um ganz klassisch eine Geschichte zu erzählen. Auch wenn die Bilder von schier unfassbarer Brillanz sind und die Effekte atemberaubend, machen sie nicht den Film aus.</P><P>"Findet Nemo" überzeugt durch stimmige Handlung, präzise skizzierte Charaktere und feinen Humor. So paradox es klingt: Das EDV-Drama hat mehr Seele als viele Realfilme. Regisseur Andrew Stanton hat jahrelang am Drehbuch gefeilt, ehe auch nur ein Bild im Rechner generiert wurde. </P><P>In jeder Sekunde spürt man die Liebe zu den merkwürdigen Gestalten, die da digital zum Leben erweckt werden. Vegetarische Haie, die nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker eine Selbsthilfegruppe bilden (Motto: "Fische sind Freunde"), neurotische Aquariumsbewohner, die durch das Klo in die Freiheit fliehen wollen, und humorlose Clownfische bevölkern diesen eigenwilligen Kosmos, den Stanton mit viel Detailfreude und einem unfehlbaren Gespür für perfekt gesetzte Pointen erschaffen hat.</P><P>Im Grunde ist es eine sehr erwachsene Geschichte über Verantwortung, die man übernehmen, und Schmerz, den man überwinden muss. Und die Helden dieses Films mögen auf den ersten Blick wie typische putzige Kinderfilm-Figuren erscheinen, aber es sind in Wahrheit Außenseiter, Verlierer und geistig defekte Anti-Helden, die dennoch oder gerade deswegen sympathisch sind.</P><P>"Findet Nemo" ist nämlich nicht nur makellose Unterhaltung, sondern auch eine subtile Unterstützung des Rechts, anders zu sein. Das einzig Negative am Film ist, dass er - wenn auch unfreiwillig - das Ende der klassischen Animationskunst eingeläutet hat. Disney und Dreamworks haben ihre Zeichner entlassen und setzen in Zukunft auf Computertechnik. Andrew Stanton, der gelernte Animator, war entsetzt als er davon hörte. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Karlstor, Münchner Freiheit, Cadillac, Gabriel, Solln, Cinema i.O., Museum i.O.)</P><P>"Findet Nemo"<BR>Regie: Andrew Stanton<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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