Fremdduscher

- Peter ist ein Eindringling, einer, der sich Zutritt verschafft zum Leben anderer Menschen, zu deren privatesten Seiten. Ein Computerhacker, der Kundendaten stiehlt und diese teuer verkauft. Einer, der profitiert von der schieren Existenz der anderen. Bis seine Freundin tot in der Badewanne liegt, tablettensüchtig war sie, doch ob Selbstmord oder Unfall, wird man nie erfahren. Zwei Menschen, die in einer Wohnung leben, jeder aber in seiner Welt, kommunikationslos.

<P>So beginnt der Film "Halbe Miete" von Marc Ottiker, und so geht er auch weiter, denn Peter (Stephan Kampwirth) ruft nicht etwa die Polizei, sondern flüchtet von Berlin nach Köln, treibt sich dort in einem Viertel herum, und schleicht sich in fremde Wohnungen. Schläft dort, isst dort, duscht dort, wenn die eigentlichen Mieter in der Arbeit sind oder beim Joggen. </P><P>Zwanghaft soll das wirken, ein neurotischer Hacker, der nicht anders kann, als die Grenzen des Privaten zu überschreiten und in ebenso neurotische, eigentümlich geordnete Räume vordringt. Der Alltag, die Einsamkeit, die Anonymität: Wer nur für sich lebt, muss ja einen Tick entwickeln.<BR><BR>Sehr gewollt und erzwungen wirkt das manchmal. Dass Peter schließlich seinen Laptop in den Rhein wirft, um sein Leben zu erneuern, ist reine Konvention. Ottiker erzählt plakativ, hat eher eine psychologische Fallstudie entworfen als ein Drehbuch. Dabei ist seine Idee gut. Denn natürlich hinterlässt Peter Spuren in den fremden Zimmern, erst unfreiwillig, dann mit Absicht. Und hier wird der Film spannend und überraschend. </P><P>Die Mieter akzeptieren ihren Schattenbewohner, lassen ihn eintreten in ihr Leben. So wird er zur besseren Hälfte, zum Geliebten, zum Teil des Selbst, zur Therapie.</P><P><BR>"Halbe Miete"<BR>mit Stephan Kampwirth, Doris Schretzmayer, Sven Pippig<BR>Regie: Marc Ottiker<BR>Annehmbar <BR></P>

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