Friedens-Gala zur Berlinale - Dustin Hoffman spricht Klartext

- Berlin - Der Auftritt ist nicht geplant. Dustin Hoffman ist ein kleiner Mann. Wenn er sich reckt, misst er vielleicht 1,65 Meter. Deswegen biegt der Schauspieler die Mikrofone am Rednerpult erst einmal nach unten. Im feinen Konzerthaus am Gendarmenmarkt wird es mucksmäuschenstill. "Ich bin nicht anti-amerikanisch, aber ich bin gegen die Ansichten der amtierenden Regierung", spricht er in den Saal.

Bei der Glamour-Gala zur Berlinale sitzen am Montagabend die Gäste an weißgedeckten Tischen mit silbernen Kerzenständern, unter ihnen Filmlegenden wie Roger Moore, Christopher Lee und Faye Dunaway. Aber das ist bei Hoffmans flammender Rede fast vergessen.<P>Er fühle sich an die 60er Jahre und den Vietnam-Krieg erinnert; dieser Krieg habe mit einer Lüge begonnen, sagt der amerikanische Schauspieler und seine Stimme scheint ihm fast zu brechen. "Die Zeit könnte sich vielleicht wiederholen", warnt Dustin Hoffman und alle im Saal wissen, was er meint: Den drohenden Krieg im Irak. Seine spontane Rede schließt er mit einem Zitat des amerikanischen Dichters Carl Sandburg, das die zarte Blume beschreibt, die auf dem Weg nach oben so manches Mal einen Stein zerschmettert und gesprengt hat.</P><P>Mit diesem Appell, dem Frieden eine Chance zu geben, hat Dustin Hoffman einen Nerv getroffen, kitschig findet das an diesem Abend wohl niemand. Die mehr als 500 Gäste im Saal jubeln ihm zu. "Er hat genau das gesagt, was wir alle denken", meint Schauspielerin Hannelore Elsner, eine von vielen deutschen Prominenten, die zu der Gala "Cinema for Peace" gekommen ist. Action-Darsteller Ralf Moeller, ein Hüne von einem Mann, sagt, er habe bei der Rede Tränen in den Augen gehabt, ihm sei "heiß und kalt" geworden.</P><P>Eigentlich dreht sich an diesem Abend alles um UNICEF. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen will den Blick auf Kinder in Kriegsgebieten lenken. Ex-James-Bond Roger Moore, seit Montag Träger des Bundesverdienstkreuzes, ist Gastgeber der Benefiz-Gala, die Moderation hat Nina Ruge. Auf der Fassade des Konzerthauses flackern durch eine Lichtprojektion weiße Tauben auf blauem Grund. Selbst einige Hostessen - adrett in schwarzen Etui-Kleidern - haben kleine Friedenstäubchen im Haar.</P><P>Auf der Toilette liegen Rosenblüten, der Saal mit den mächtigen Kronleuchtern ist schlicht, aber edel geschmückt, das Essen exquisit. Selbst für die Journalisten gibt es Wachtelschenkel. Bei der Benefiz-Auktion bietet mal eben jemand mehr als 30 000 Euro für einen New Beetle, auf der Bühne lässt Nina Hagen ihren Petticoat fallen und stiftet ihn als Beigabe. Mindestens 240 000 Euro kommen bei der Versteigerung für den guten Zweck zusammen. Zum Schluss singen die Supremes, und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit posiert im Foyer mit ein paar jungen Damen für die Kameras.</P><P>Es könnte eine ganz normale - wenn auch ungewöhnlich glamouröse - Benefiz-Gala sein, aber dem Geschehen in Washington, New York und Bagdad kann sich an diesem Abend kaum jemand entziehen. Mal fällt die Antwort knapp aus, mal engagiert wie bei Bob Geldof, mal ein bisschen schräg wie bei Schauspielerin Veronica Ferres, die extra eine (friedens-)taubengraue Robe für die Gala ausgewählt hat. Dustin Hoffman hat auch eine Antwort - und die wird manchem Gast lange im Gedächtnis bleiben.</P>

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