Frühstück im Dschungel

- Tropenkrankheiten gibt es viele. Die, von der der Thailänder Apichatpong Weerasethakul, der aufstrebende Komet am asiatischen Filmhimmel, in "Tropical Malady" erzählt, ist eine ganz besondere. Sie könnte "Liebe" heißen, aber auch "Realitätsverlust", sie ist ein Fieber, und je länger es andauert, umso stärker ergreift es auch den Zuschauer. In "Tropical Malady" kann man versinken - man kann sich aber auch darin verirren wie in einem Dschungel.

Weerasethakuls Filme stecken voller Verweise auf französisches Kino und Malerei, vor allem Jean Renoir und Edouard Manet sind als Vorbilder erkennbar. Dieser einmalige Film ist in zwei grundverschiedene Hälften gespalten. Ihren gemeinsamen Kern bildet die Vorstellung der Tiernatur des Menschen, seine in der thailändischen Mythologie angelegte Möglichkeit, sich in ein Tier zu verwandeln, sowie die Liebesgeschichte zwischen einem Soldaten und einem Dorfbewohner, die mehr und mehr eine mythische Dimension erhält.

Im zweiten Teil befindet man sich bei einem thailändischen "Dejeuner sur l'herbes", beim Frühstück im Freien im Dschungel, und Weerasethakul lässt sich ganz auf diese Atmosphäre ein. Das Dominierendste der letzten Stunde sind diese Urwaldgeräusche: das Rauschen der Blätter und des Wassers, das Zirpen und Pfeifen der Insekten, Affenschreie und Vogelgezwitscher sowie die mehr spür- als hörbare Präsenz eines Tigers, den wir irgendwann dann auch zu Gesicht bekommen. Wenn das geschieht, wird es, auch weil dieser ein Mensch sein könnte, zur magischen Erfahrung.

(In München: Monopol i.O.)

"Tropical Malady"

mit Banlop Lomnoi, Sakda Kaewbuadee

Regie: Apicatpong Weerasethakul

Hervorragend

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