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Kaum Ruhe bietet das Wochenende für Anna (Korinna Krauss).

Aus Menschen werden Bestien

„Fünf Frauen“: Psychedelischer Pilzeintopf

München - „Fünf Frauen“ ist kaum mehr als ein Thriller von der Stange.

Psychedelische Pilze begleiten die Menschheit schon lange. Doch hat sie der deutsche Film offensichtlich erst jetzt für sich entdeckt. 2015 erlebte Moritz Bleibtreu in der Adaption des Romans „Die dunkle Seite des Mondes“ einen miesen, etwas dick aufgetragenen Trip. Ähnlich ergeht es nun den Protagonistinnen von Olaf Kraemers „Fünf Frauen“.

Im Spielfilmdebüt des Autors treffen Anna (Korinna Krauss), Nora (Kaya Marie Möller), Ginette (Odine Johne), Stephanie (Julia Dietze) und Marie (Anna König) in einem – wie sollte es anders sein? – reizvoll gelegenen Landhaus aufeinander. Um zu erahnen, dass das Wochenende anders verläuft, als es die Mädels geplant haben, braucht es nur wenig Thrillererfahrung. Kraemer bereitet sein Publikum schon visuell auf dramatische Wendungen vor: Von oben wirkt der Gartenteich wie ein sonnenbestrahltes Idyll. Sobald die Kamera allerdings unter Wasser geht, kündigt sich Grauenvolles an. Die Bilder sind oft exquisit gewählt. 

Doch spätestens beim Pilztrip der Frauen gerät die Optik aus dem Ruder, Spiel und Inhalt werden zum Klischee. Wie in „Die dunkle Seite des Mondes“ machen die Pilze aus Menschen Bestien, so als habe die „Keine Macht den Drogen“-Kampagne die Produktion mitfinanziert. Im Rausch erschlagen Nora und Anna einen Eindringling. Statt das folgende, auch nur mäßig spannende Gewissensdilemma zu verfolgen, stolpert das Drehbuch von einer Absonderlichkeit zur nächsten. Viele Motive gab es schon hundertfach, doch werden diese allzu hölzern umgesetzt. Damit unterscheidet sich „Fünf Frauen“ freilich nicht von vielen anderen Thrillern. Das Genre ist eben anspruchsvoll.

„Fünf Frauen“

mit Anna König, Odine Johne Regie: Olaf Kraemer Laufzeit: 100 Minuten

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Ende“ mochten.

Katrin Hildebrand

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