Hinreißende Vampir-Komödie

Unser Film der Woche: "Fünf Zimmer Küche Sarg"

„5 Zimmer, Küche, Sarg“ ist der hinreißendste Vampirfilm und die beste Komödie seit gefühlten Ewigkeiten und deshalb unser Kinofilm der Woche.

Es ist gruselig. Eine ganze Generation ist im Irrglauben aufgewachsen, Vampire seien glitzernde, superreiche Boygroup-Typen mit Wohndesign-Fetisch. Ausgerechnet eine Komödie muss nun daran erinnern, wie schön und vielgesichtig das Blutsauger-Genre sein kann. „5 Zimmer, Küche, Sarg“ (Originaltitel: „What we do in the Shadows“) begleitet eine Doku-Crew in eine Wellingtoner Vampir-Wohngemeinschaft.

Deren Bewohner verkörpern die klassischen Facetten. Da sind Viago, der etwas gschaftige Adelige à la Anne Rice; Vladislav, der Bram-Stoker-Dracula; der „Lost Boy“ Deacon – und im Keller Petyr, der animalische Nosferatu. Die vier schlagen sich mit den üblichen Vampir-Problemen herum: Wie schützt man sich vor Vampirjägern? Wie vermeidet man Zoff mit den (arg zivil organisierten) Werwölfen? Wer macht den Abwasch? Und freilich: Wie integriert man den ungewollten Neuzugang Nick – und dessen menschlichen Kumpel?

Hinter dem Film steckt das grandiose Team der Kult-Serie und -Band „Flight of the Conchords“. Ihm ist der hinreißendste Vampirfilm und die beste Komödie seit gefühlten Ewigkeiten gelungen. Ungemein liebevoll und kenntnisreich in seinem Umgang mit dem Genre. Aber basierend nicht auf willkürlichen Gags, Parodien, sondern auf wunderbarer Charakterkomik. Sogar die Humor-Einbußen der sorgfältigen Synchronisation sind überschaubar.

Es fließt eine große Menschlichkeit durch die Adern dieses Films – eine sehr lebendige Liebe zu all den Schwächen und Eitelkeiten dieser Untoten in ihrem Kampf mit dem banalen Alltag. Und wenn es um die Unsterblichkeit der Sehnsucht geht, überrascht er einen mit mehr als genialen Pointen. Da ist man, bei allem Lachen, plötzlich wahrhaft berührt.

von Thomas Willmann

Rubriklistenbild: © Kane Skennar / Weltkino

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