Weg vom Gag, hin zur Geschichte

- Es hilft alles nichts. Verlängerung auf sechs Tage, Wiederholungen eines jeden Wettbewerbsprogramms, das sind die Maßnahmen, mit denen das Internationale Festival der Filmhochschulen dem riesigen Publikumsandrang, der im letzten Jahr das Filmmuseum verstopft hatte, Herr werden will. Fast alles ausverkauft, hieß es damals, und das bei einem Festival, das Geschäftsführer Andreas Ströhl als "Provisorium" bezeichnet hat, das fast nicht stattgefunden hätte.

<P>Diesmal nun wird jedes Wettbewerbsprogramm, das jeweils rund fünf Werke von Filmstudenten aus der ganzen Welt zusammenfasst, zweimal gezeigt. Doch nein, wieder platzt das Filmmuseum aus allen Nähten, wieder tendiert die Auslastung bereits am zweiten Tag gegen 100 Prozent. Und das, obwohl auch weniger Filmstudenten eingeladen wurden als 2003, weniger Fachbesucher gewissermaßen. </P><P>Denn naturgemäß ist ein solches Filmfest zunächst ein Branchentreff, auf dem man beobachtet, was die künftige Konkurrenz macht, auf dem man Ideen sammelt für eigene Projekte und Erfahrungen austauscht. Sorgfältig hat eine Auswahlkommission wieder die Spreu vom Weizen getrennt und dafür gesorgt, dass jeder gezeigte Film sehenswert ist. Natürlich hofft man immer auf die große Entdeckung, und vielleicht ist "The Fall" von J. P. Valkeapää aus Finnland eine solche. Ausgereift und atmosphärisch ist seine Erzählweise, ohne viele Worte kommt er aus, um eine mystisch-düstere Stimmung zu erzeugen. </P><P>Großes Kino ist das eigentlich, in Cinemascope und 35 Millimeter. Kleine Spielfilme bekommt man gelegentlich zu sehen, umfangreiche Stoffe, die in wenigen Minuten mitreißend erzählt sind, wie "Strike Back" von Jonas Embring aus Schweden, einer knapp halbstündigen wütenden Familientragödie. Auch aus Deutschland gibt es solche Filme. Sebastian Stern, der an der HFF München studiert, schickt in "Fang des Lebens" einen kleinen Jungen in eine Welt der Vergänglichkeit. </P><P>Eine sorgfältig erzählte Geschichte über den Verlust von Illusionen und gleichzeitig deren Kraft. Damit ist ein Kommentar gelungen zu einer Tendenz, die im Festivalprogramm sichtbar wird: Die Filme bewegen sich weg vom Gag, von der Idee, die den gesamten Kurzfilm tragen soll, hin zum Versuch, Geschichten zu erzählen, realistisch, einfühlsam - Illusionskino. Das Festival im Filmmuseum dauert noch bis Samstag. </P>

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