Gaunerpärchen im Dauer-Urlaub

- Was also tun, wenn sich endlich alle Träume erfüllen? Max (Pierce Brosnan) und Lola (Salma Hayek) wissen es auch nicht so recht. Nach dem letzten großen Coup hat sich das Gaunerpärchen auf eine Südseeinsel zurückgezogen, um für immer Urlaub zu machen. Im Grunde könnte man im Traumhaus am eigenen Strand jeden Abend einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen und ansonsten nichts tun.

<P>Aber wer will das schon? Max jedenfalls ertränkt seine Langeweile in Cocktails, während Lola ihre innere Leere mit militanter Heimarbeit füllt: Die Sonnenuntergangs-Terrasse nimmt bedrohliche Dimensionen an. Leider sind diese ersten Minuten die vergnüglichsten in Brett Ratners ausgelassener Gangster-Komödie. Zwei Menschen, die sich eingestehen müssen, dass ihre Vorstellungen vom endlosen Glück zumindest naiv, wenn nicht idiotisch waren. Das hat komisches Potenzial, und sowohl Brosnan als auch Hayek kosten das aus.</P><P>Als ein schusseliger FBI-Mann (Woody Harrelson) auftaucht und zu einem allerletzten großen Coup inspiriert, gewinnt zwar die Handlung an Fahrt, aber dafür ist der Rest vorhersehbar: Max kann nicht widerstehen, Lola ist sauer, weil die bürgerliche Existenz aufs Spiel gesetzt wird, und irgendwie wird alles gut. Das ist süffig inszeniert und mit lustigen Pointen gespickt, aber nur leidlich originell. Spaß macht es trotzdem, weil Ratner geschickt auf seine Hauptdarsteller baut. </P><P>Brosnan macht sich gekonnt über sein Macho-Image lustig, das ihm einst die Bond-Rolle brachte. Sein panisch angewiderter Blick etwa, als ihm Harrelson den Rücken mit Sonnenmilch eincremt ("Wir wollen doch keinen Hautkrebs") ist allein fast schon den Film wert. Und Hayek, die selbstironisch als Latina-Furie mit griffbereitem Nudelholz hartnäckig die Illusion der unendlichen Flitterwochen verteidigt, ist ein Erlebnis. So ist "After the Sunset" ein netter Zeitvertreib geworden - nicht mehr. </P><P>"After the Sunset"<BR>mit Pierce Brosnan, Salma Hayek<BR>Regie: Brett Ratner<BR>Annehmbar <BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
München - John Hamburgs „Why him?“ variiert fantasielos das Duell Schwiegervater-Schwiegersohn.
Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
München - „Hell or High Water“ ist ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel im modernen Wilden Westen.
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
München - Roger Spottiswoode verfilmte den Bestseller „Bob, der Streuner“ angenehm kitschfrei.
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung
München - „La La Land“ ist eine gesungene und getanzte Liebeserklärung an das Leben, die Leidenschaft und Los Angeles.
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung

Kommentare