Geburt eines Ungeheuers

- Golden Globe, Silberner Bär und dann auch noch der Oscar für die beste Hauptdarstellerin - Preislawine und Medienflut haben "Monster" weggespült. Das Interesse konzentrierte sich vorwiegend auf das betörend blonde Ex-Model Charlize Theron, auf ihren Mut zur Verunstaltung und auf die wahrlich überragenden Künste der Maskenbildner. Sämtliche Leistungen, die außerhalb des Schminkstudios stattfanden, blieben nahezu unerwähnt.

<P>Allein deshalb verdient Patty Jenkins' Spielfilmdebüt eine genauere Würdigung als nur eine weitere Lobeshymne auf die beachtliche Leistung der Hauptdarstellerin.<BR><BR>"Monster" ist die düstere Verfilmung der nicht minder dunklen Lebensgeschichte von Aileen Wuornos, einer 2002 hingerichteten Serienmörderin. Auf Hollywood übte die Spielart des Serienkillers stets einen mysteriösen Reiz aus. Wenn sich die Existenz des Bösen schon nicht erklären lässt, so das Credo, dann können wir doch begreifen, wie der Mensch zur Verkörperung des Bösen wird. </P><P>Die von Kindheit an traumatisierte Aileen (Charlize Theron) kommt auf die schiefe Bahn. Der erste Mord der Prostituierten ist noch ein Akt der Notwehr. Die späteren Opfer werden bestohlen und umgebracht, damit Aileen und ihre Freundin Selby (Christina Ricci) Geld für ein neues Leben zusammentragen können. "Wer mit den Ungeheuern kämpft, muss zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird", hatte schon Nietzsche erkannt. <BR><BR>Patty Jenkins bebildert diese Erkenntnis eindringlich, roh und drastisch. Oft erstarrt das Drehbuch jedoch in allzu theatralischen Posen, die Emotionalität nur noch vortäuschen. Aileen ist am Ende genau zu diesem Ungeheuer Nietzsches, zum titelgebenden "Monster" geworden. Die Frau am Abgrund geht einen Schritt weiter, und wir sehen der geschundenen Kreatur beim langen Fall und dem Aufschlag zu. </P><P>In Dramaturgie und Optik deutlich am US-Kino der 70er-Jahre orientiert, zeigt Jenkins, wie ein unbefriedigtes Bedürfnis nach menschlicher Wärme letztlich eben diese endgültig unmöglich macht. Das ist in seiner Härte und Kompromisslosigkeit schockierend anzusehen. Dennoch, das letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit fehlt bei all dieser Maskerade und schauspielerischen Ambition. Dabei ist es doch eine wahre Begebenheit . . . </P><P><BR>"Monster"<BR>mit Charlize Theron, Christina Ricci<BR>Regie: Patty Jenkins<BR>Sehenswert </P>

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