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Tom Cruise als Claus Schenk von Stauffenberg.

Vor dem Kino-Start von "Operation Walküre"

Gedenkorte als Kulisse missbraucht

"Operation Walküre": Die "Dachauer Hefte" thematisieren in ihrer neuen Ausgabe den Umgang mit dem historischen Erbe

"Achtung! Legt an! Feuer!" 63 Jahre nach seiner Hinrichtung wurde Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg noch einmal erschossen - in der Uniform steckte freilich Tom Cruise, der Hauptakteur im Film "Operation Walküre", der am Donnerstag in unseren Kinos anläuft.

Doch die Szene fand am Originalschauplatz statt, dem heute vom Verteidigungsministerium genutzten Berliner Bendler-Block, der nach der Vorbereitung der Dreharbeiten "nicht wiederzuerkennen" war, wie die Historikerin Carina Baganz schildert. Sie hat in der neuen Ausgabe der "Dachauer Hefte" nachgespürt, mit welchem zweifelhaften historischen Ehrgeiz Filmemacher ihre Produktionen inszenieren.

Leitthema der 24. Ausgabe ist das KZ und die Nachwelt - also der Umgang mit diesem historischen Erbe. Der Gedenkstätten-Pädagoge Matthias Heyl etwa hinterfragt, wie sinnvoll es ist, Rechtsextremisten in ehemalige KZ zu führen und sie in einer Art "Schocktherapie" vom "rechten" Weg abzubringen.

Peter Koch von der Gedenkstätte Dachau stellt eine Besucheranalyse vor: Entgegen landläufiger Meinung sind zwei Drittel der Besucher Erwachsene, nicht etwa im Rahmen des Unterrichts dorthin geschickte Schüler. Eindrucksvoll auch ein Text des im Jahr 2000 verstorbenen jüdischen Holocaust-Überlebenden Ernest Landau über seine Zeit im damals jüdischen Erholungsheim Schloss Elmau. Dieses Kapitel des heutigen Edel-Domizils dürften nur die wenigsten kennen. Texte eines Symposions zu Ehren von Barbara Distel, der kürzlich verabschiedeten, langjährigen Dachauer Gedenkstätten-Leiterin, runden den Band ab.

Aber zurück zu Tom Cruise: Ist es sinnvoll, Filme zum Nationalsozialismus an Originalschauplätzen, also am Ort der Verbrechen, zu drehen? Die Antwort ist eindeutig: Nein! Und ist das moralisch statthaft? Auch dazu urteilt Historikerin Baganz klar und zu recht: Ist es nicht! "Zur Würde der Gedenkorte gehört es, dass sie nicht als Kulisse missbraucht werden, auch wenn dem die mediale Gier nach Authentizität entgegensteht."

Seit den Neunzigerjahren sind zumindest die deutschen KZ-Gedenkstätten dafür sehr sensibilisiert. In den Fünfzigern bis Siebzigern war das anders. Harald Juhnke drehte schon 1955 im einstigen KZ Neuengamme "Heldentum nach Ladenschluss". "Der Stoff, aus dem die Träume sind", der nach dem Tod Johannes Mario Simmels kürzlich wieder über den Bildschirm flimmerte, spielt zum Teil in einem Erziehungsheim - vulgo im ehemaligen KZ-Auffanglager Sandbostel (Niedersachsen).

Das war 1972. Auch Steven Spielberg probierte es. Er drehte dann "Schindlers Liste" zwar nicht in, aber doch vor den Toren von Auschwitz. Eine Filmkulisse hätte es wohl auch getan. Baganz berichtet von haarsträubenden Anfragen wie etwa die an die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Oberpfalz), doch bitte die Dreherlaubnis zu erteilen, schließlich gebe es nirgendwo sonst so "schöne KZ-Wachtürme im Original". Absagen hindern die Filmleute nicht, es woanders zu versuchen - der Schluss des Bonhoeffer-Films "Die letzte Stufe" mit Ulrich Tukur entstand im Jahr 2000 im ehemaligen tschechischen KZ Theresienstadt.

Letztlich ist der KZ-Gedenkstätte Dachau zuzustimmen, die sich grundsätzlich für Filmprojekte verschließt. Es wäre besser, wenn auch der Bendler-Block von Cruise verschont geblieben wäre.

Dachauer Hefte 24:"KZ und Nachwelt". Hrsg: Wolfgang Benz und Barbara Distel, 14 Euro.

Dirk Walter

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