Gefährliche Schönheit

- Comic-Heldin, Fetisch, Pop-Mythos: Catwoman ist das wilde Weibliche, das zum Raubtier gewordene Frauenkätzchen, Männerfantasie, aber auch eine Vision weiblicher Selbstverwirklichung. 1940 wurde sie von Batman-Erfinder Bob Kane erstmals gezeichnet. Eine ambivalente Superheldin, voller Lust am Regelbruch und mit eindeutig sexueller Komponente. Julie Newmar, Eartha Kitt, vor allem aber in unvergessener Weise Michelle Pfeiffer verkörperten das Supergirl im Lederlatex-Kostüm. Kein leichtes Erbe für Halle Berry, zugleich gewiss eine große Versuchung.

<P>"Catwoman" beginnt ganz Genre-gerecht damit zu erzählen, wie die Normalfrau zur Superheldin wird. Diesmal heißt sie nicht Selina Kyle, sondern Patience Philips. Vielleicht soll der Vorname noch die Bravheit von Catwomans Ursprungsidentität unterstreichen, im Ergebnis unterstreicht er eher die Harmlosigkeit des Films, stößt die Fans vor den Kopf - und benennt die Haupttugend, die hier leider gefordert ist. Denn nur sehr mühsam kommt der Film in Gang. 40 Minuten dauert's, dann rast die Heldin endlich mit kurzen Haaren, roten Lippen, in Ledermontur auf dem Motorrad durch die Straßenschluchten einer namenlosen Metropole. Zuvor hatte man Patience in ihrer Normalexistenz erlebt. "Catwoman" ist im Kern das Drama einer Angestellten in ihrem Kampf um Selbstfindung. Immer wieder von ihren Chefs gedeckelt, fast gefeuert und schließlich umgebracht, weil sie hinter einige dunkle Geheimnisse gekommen ist.</P><P>Weder Action noch Humor</P><P>Doch in der Stunde ihres Todes bringen sie einige Großstadtkatzen auf geheimnisvolle Weise zurück ins Leben _ und nun kämpft sie gegen das Böse in der Welt. Doch dies buchstabiert der Film nur brav nach, ohne den Charme und die Überraschungen, die doch den Reiz einer solchen Tiermenschen-Figur ausmachen. Dann wird es schlechter. Die Fiesen, mit Charme gespielt von Sharon Stone und Lambert Wilson, sind Kosmetik-Fabrikanten, die mit giftiger Schminke Geld machen wollen. So richtig Angst jagen sie dem Zuschauer aber nie ein, obwohl Sharon Stones Oberschurkin an alte Film-Noir-Femme-Fatales erinnert. Doch Regisseur Pitof, ein Franzose, der vor allem als Visual-Effects-Verantwortlicher gearbeitet hatte, hat nicht genug gelernt. Die Bilder (Kameramann: Thierry Arbogast) sind zu schlampig, der Schnitt zu schnell und unrhythmisch, als dass der Film je eine eigene Form fände. Wenn Catwoman keineswegs katzenhaft geschmeidig, sondern merkwürdig ruckartig animiert über die Häuser hüpft, dann wirkt es eher lächerlich.</P><P>Der ganze Film entfaltet keinen Zauber, ist behäbig. Über weite Strecken erfüllt "Catwoman" nicht das, was man von einem Superhelden-Film erwartet, bietet weder Action noch Humor, noch intelligente Ideen: Obwohl es eigentlich um weibliche Selbsterfahrung gehen müsste, bleibt am Ende nur die Sorge um den Typen und die Moral aus Frauenzeitschriften: Dicke Freundinnen sind nett, und Schönheitswahn ist doof. (Schon ab heute in München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Museum)</P><P>"Catwoman"<BR>mit Halle Berry, Sharon Stone<BR>Regie: Pitof<BR>Erträglich</P>

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