Gefahr für das Buch des Friedens

- Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieser US-Zeichentrickfilm hat kaum etwas mit der orientalischen Vorlage aus "1001 Nacht" zu tun. Außer dem Namen des Helden und einigen Motiven aus der Märchensammlung ist die Geschichte neu erfunden _ aber das recht originell. Technisch ist das von einer schon Furcht einflößenden Brillanz, die das Studio Dreamworks als innovativste Animationswerkstatt etabliert. Nicht zuletzt, weil der Computer nur Mittel zum Zweck ist.

<P>Sinbad, der in der Vorlage ein gottesfürchtiger Kaufmann aus Bagdad ist und aus Abenteuerlust zur See fährt, wird hier zum Hallodri, der seinen Lebensunterhalt mit Piraterie im antiken Griechenland bestreitet. Dem Schauplatz angemessen wird auch der dramaturgische Knoten nach klassischem Vorbild geknüpft: Der griechischen Göttin der Unordnung, Eris, ist langweilig. So beschließt sie das "Buch des Friedens" von Sinbad stehlen zu lassen. Und wenn dieses Buch erst einmal weg ist, herrscht Chaos unter den Menschen - genau so, wie es Eris gefällt.</P><P>Natürlich kommt alles ganz anders, dabei schlägt der Film einen mitunter erstaunlich ernsten Tonfall an. Ein adeliger Freund bürgt mit seinem Leben für Sinbad, der das Buch wieder beschaffen soll. Zu allem Überfluss verliebt sich der junge Mann noch in Marina, die Verlobte dieses Freundes. Von Entscheidungen ist deswegen viel die Rede, und stets wird auf die Notwendigkeit einer sittlichen Ordnung verwiesen, die über den Wünschen des Einzelnen steht.</P><P>Ganz junge Kinogänger werden damit wohl ein wenig überfordert, auch die unterschwellige erotische Spannung spricht eher jugendliche und erwachsene Zuschauer an. Im englischen Original sprühen die Funken, wenn sich Brad Pitt (der Sinbad seine jungenhafte Stimme leiht) und Catherine Zeta-Jones (als burschikose Marina) atemlose Wortgefechte liefern und ihre Zuneigung hinter verletzendem Spott verbergen. In der deutschen Fassung (Benno Führmann und Jasmin Tabatabai) geht diese Ambivalenz der Gefühle verloren. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Karlstor, Leopold.)</P><P>"Sinbad"<BR>Regie: Patrick Gilmore, Tim<BR>Johnson<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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