Gefräßige Kaulquappe

"The Host": - Es beginnt wie ein Katastrophenfilm: eine nette Familie am Flussufer - plötzlich entsteigt dem ein merkwürdiges Wesen. Die Mutation - ein Resultat verbotener Experimente - bewegt sich mit Hochgeschwindigkeit und sieht aus wie die Kreuzung aus einer Riesenkaulquappe mit Haifischgebiss und dem Alien aus Ridley Scotts gleichnamigem Klassiker.

Wunderbar gekonnt inszeniert Regisseur Joon-ho Bong die folgende Massenpanik. Unweigerlich denkt man an die berühmte Strandszene aus "Der weiße Hai", zugleich hat dieser Film mitunter den Witz von "Airplane".

Joon-ho Bong ist als einer der interessantesten Regisseure des koreanischen Gegenwartsfilms bekannt. Doch weder "Barking Dogs" (2000), noch "Memoires of Murder" (2003) kamen ins deutsche Kino. Sein dritter Film - in Korea gilt er mit 13 Millionen Zuschauern als erfolgreichster Film aller Zeiten - ist nun eine schwer charakterisierbare Mischung aus Monster-Thriller und scharfer politischer Satire.

Erstaunlich, was hier alles verarbeitet ist, ohne dass der Film je an Unterhaltungswert verliert: das prekäre Verhältnis USA-Südkorea; polizeistaatliche Tendenzen, aktuelle asiatische Erfahrungen über den Umgang mit SARS: wenn ein Virus geradezu "erfunden" wird, wie die Angst vor "dem Virus" einsetzt, wie die WHO eingreift und das Land entmachtet.

Stilistisch reichen die bestimmenden Einflüsse von "Godzilla"-Werken bis zum italienischen Neorealismus. Kameraarbeit und konsequente Inszenierung sind von hoher Präzision. Auch wenn der Regisseur mit Schauer- und Ekeleffekten spielt, ist dies kein Horrorfilm. Bei aller Ähnlichkeit will dieses Monster auch nie die beklemmende Wirkung des "Alien" oder des "Weißen Hai" entfalten. "The Host" ist eine frische, zeitgenössische Comédie Humaine, die ihresgleichen sucht - dagegen sehen viele andere Filme alt aus.

(Ab 29. März in München: Mathäser, Leopold.)

"The Host"

mit Song Kang-ho,

Byeun Hie-bong

Regie: Joon-ho Bong

Hervorragend

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