Gefühle in Schwarzweiß

- George Clooney schwärmt von ihr. Er bekommt ganz glasige Augen dabei und muss auch noch eine ordentliche Tracht Prügel einstecken, bevor er auf Tuchfühlung zu seiner großen Liebe Cate Blanchett alias Lena Brandt geht. Natürlich nur im Film, versteht sich. In "The Good German" von Regisseur Steven Soderbergh, der auf der Berlinale Premiere hatte, spielen die zwei ein Liebespaar.

Ein tragisch umflortes, schließlich handelt es sich um ein Drama mit dem Schauplatz Berlin 1945. Während in Potsdam die Siegermächte tagen, macht sich George Clooney als nunmehr zum Kriegsberichterstatter avancierter US-Journalist daran, seine einstige deutsche Geliebte aufzuspüren.

Diese im Verlauf des Films immer zwielichtiger erscheinende Lena hat viel von den Frauen, die Marlene Dietrich früher spielte: auch im Elend des zerbombten Berlins noch elegant, immer Geheimnisträgerin und immer mit einer ureigenen, rauen Würde. Ätherisch schön ist sie selbstverständlich ebenfalls. Wie in "Die Journalistin", "Der Herr der Ringe", "Heaven" oder "Schiffsmeldungen", in "Aviator" oder "Die Tiefseetaucher". Doch diesmal steckt hinter dem durchscheinenden Alabasterteint ein allenfalls noch "opportunistisch" zu nennender Charakter: Blanchett spielt eine deutsche Jüdin, die nur überleben konnte, indem sie andere denunzierte. "Es ist mir sehr schwer gefallen, mich in die Rolle der Lena einzufühlen", gesteht die 36-Jährige. "Das lag aber nicht nur an der Figur oder ihrer Motivation. Sondern vor allem an der speziellen Art der Regieführung."

Soderbergh, der mit "The Good German" in den USA auf Ablehnung stieß, wollte einen Film drehen, der die Zeit der Vierzigerjahre im Nachkriegsdeutschland möglichst genau einfängt. Dazu gehört neben dem obligatorischen Schwarzweiß auch, dass die Darsteller vor der Kamera so agieren, wie es damals üblich war. Das heißt, dass größere Gesten als heute im Kino zu sehen sind, dramatischere Augenaufschläge und wesentlich gefühligere Musik.

"Ich habe mir eine Menge Filme aus der Zeit angesehen zur Vorbereitung. Speziell natürlich diejenigen mit den sinistren Frauen in der Hauptrolle, also viele Produktionen mit Joan Crawford beispielsweise", erklärt Blanchett. "Natürlich auch Hildegard Knef in ,Die Möder sind unter uns’. Der gibt ja besonders authentisch die Stimmung wieder, die in Deutschland unmittelbar nach Kriegsende inmitten dieser Ruinenlandschaft herrschte."

Am Ende entschuldigt sich Blanchett allerdings für ihre Rolle: "Ich bin natürlich zerknirscht, dass der Film ausgerechnet in Berlin seine Uraufführung hat", kokettiert sie. "Ich fürchte, mein Deutsch klingt manchmal nicht sehr echt." Ging schon. Mit George Clooney parlierte sie schließlich in ihrer Muttersprache. Und in "Tagebuch eines Skandals", dem zweiten Film, mit dem die Australierin auf der Berlinale vertreten sein wird, spricht sie ja auch wieder durchgehend Englisch.

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