Das Geheimnis des Anti-Stars

- Er ist kein begnadeter Musiker, die Texte sind, nun ja, ungelenk und sein Auftreten bar jeder Professionalität - trotzdem ist Hans Söllner aus Bad Reichenhall einer der erfolgreichsten Liedermacher des Landes geworden. In seiner Dokumentation versucht Andreas Stiglmayr dem Geheimnis des widerborstigen Anti-Stars auf die Spur zu kommen. Besonders einfallsreich ist Stiglmayr dabei weder in seiner Vorgehensweise noch visuell, aber der einfachste Weg ist bei Hans Söllner der richtige. Ausgetüftelte Konzepte passen nicht zu einem Mann, der rücksichtslos ausspricht, was er gerade denkt.

<P>Er macht im Wortsinn Volksmusik, wettert gegen die Obrigkeit, plädiert für soziale Gerechtigkeit und macht sich mit den Verlierern der Erfolgsgesellschaft gemein. Dass Söllner dabei eben keine gedrechselte Kunst-Lyrik verwendet, sondern so formuliert, wie es viele könnten, wenn sie denn wollten, ist sein Erfolgsgeheimnis. Die Fans akzeptieren ihn als einen der ihren. <BR><BR>Mittelpunkt des Films ist aber Söllners hartnäckiger Kampf für die Freigabe von Haschisch, der ihn seit Jahrzehnten zum Dauergast in bayerischen Gerichtssälen macht. "Mein Job ist Angeklagter", sagt Söllner dazu lapidar und sieht sich als Rächer des kleinen Joint-Rauchers. Das ist infantil, aber der Film zeigt deutlich, dass sich die Justiz noch lächerlicher verhält, indem sie Söllner den Gefallen tut, ihn zu behelligen. Längst ist das aus dem Ruder gelaufen. Und auch die Mitglieder der bayerischen Staatsregierung, die sich auf eine persönliche Fehde mit Söllner eingelassen haben, dürften das schon bereuen. Denn Söllner, der in seinen wirren Ausführungen über die Allmacht des Systems zwischen vogelwild und genial pendelt, ist ein sturer Hund. Das ist keine kalkulierte Selbstinszenierung - er ist einfach so. Dafür lieben sie ihn in Bayern.<BR><BR>In den schönsten Szenen werden Trachtler zu Söllner befragt und geben sich überraschend als Fans seiner Musik zu erkennen. Söllner verkörpert den Anarchisten, der in jedem echten Bayern schlummert. Und so wird Hans Söllner weiterhin mit den Worten "jetzt hätt' ich's bald vergessen" auf der Bühne seinen Hintern entblößen, um dem bayerischen Innenminister auf diese Weise seine Grüße zu entbieten und dafür bejubelt zu werden. Schön, dass es Hans Söllner gibt.</P><P><BR>"Der bayerische Rebell"<BR>Regie: Andreas Stiglmayr<BR>Sehenswert </P>

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