Erdogan erleidet Schwächeanfall bei Gebet

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Das Geheimnis des Professors

- Was macht eine gelungene Literaturverfilmung aus? Das Pauschalurteil "Das Buch war besser" ist immer wieder ein beliebtes Argument. Aber warum empfindet man das Buch oft als dichter oder origineller? Nüchtern betrachtet, ist eine wortgetreue Adaption meistens aufgrund der hohen literarischen Verdichtung kaum möglich. Demnach wäre ein Film, der die Vorlage nur als eine Art Steinbruch nutzt, um daraus etwas ganz Neues zu formen, zwar ein Wagnis, aber auch ein Glücksfall.

<P>Fest steht, dass sich Regisseur Robert Benton als mutig erwiesen hat beim Versuch, Philipp Roths Bestseller "Der menschliche Makel" in passende Bilder zu gießen. Denn Benton zeigt sich mitunter äußerst akribisch, was Aussehen seiner Protagonisten und Interieur angeht. Auch inhaltlich listet er nahezu alle Aspekte der hochkomplexen Buchvorlage im Laufe seiner 108 Minuten Film auf: die sich überschlagenden Ereignisse an der Universität, die aus dem unbescholtenen Literaturprofessor Coleman Silk (Anthony Hopkins) einen angeblichen Rassisten werden lassen, den man sofort des Campus' verweist.</P><P>Silks Begegnung mit der Putzfrau Faunia (Nicole Kidman) und sein sorgsam gehütetes Geheimnis aus Jugendtagen. Minderheitenkonflikte, Machtkämpfe an der Universität, Lebensbeichten, Vietnam, Political Correctness, letzte Leidenschaften und Moral - Roth spart nicht mit großen Themen. Doch Benton kürzt Langatmiges zusammen, betont einige Aspekte wie die späte, Viagra-verstärkte Liebe Colemans und formt daraus geschickt einen eng am Buch angelehnten, dennoch eigenständig funktionierenden Film mit einem veritablen Spannungsbogen. Er setzt souverän Rückblenden und Kommentare seines Erzählers, schneidet um und blendet aus, wo die Buchvorlage zu ausufernd wird, um seinem "Menschlichen Makel" eine klare Linie zu verleihen.</P><P>Einziger Schwachpunkt des Films sind die beiden Hauptdarsteller. Wenn Coleman Silk bei Roth in den Spiegel sieht, erblickt man als Leser mit einem Schlag das Amerika der Clinton-Zeit in allen Ausprägungen und einen vom Schicksal gebeutelten Mann mitsamt seinen Lebenslügen. Wenn Coleman Silk bei Benton in den Spiegel schaut, sieht man immer nur Anthony Hopkins, der sich bemüht, einem Schwarzen mit heller Hautfarbe Kontur zu geben. Hopkins, zweifellos einer der begnadetsten Schauspieler des modernen Hollywood, wirkt derart angestrengt, wie man es noch nie zuvor erlebt hat. Greift er zur Kaffeetasse, spürt man Genie - aber kein Leben.</P><P>Die dramatischste Fehlbesetzung des Jahres aber ist Nicole Kidman. Die Rolle der kettenrauchenden Schlampe Faunia nimmt man ihr in keiner Minute ab, da mögen ihre Haare vor Drehbeginn noch so kunstvoll eingefettet und dauergewellt worden sein. Zu schlank sind die Finger, die angeblich täglich Kühe melken und andere schwere Arbeit zu verrichten haben.</P><P>Und so sieht man letztlich eine rundum stimmige Romanverfilmung, in der die zwei zentralen Figuren einfach zu standfest, elegant, proper oder auch nur eitel sind, um wirklich mit ihrem Latein am Ende zu sein. (In München: Mathäser, Arri, Arena, Rottmann.)</P><P>"Der menschliche Makel"<BR>mit Nicole Kidman, Anthony<BR>Hopkins, Ed Harris<BR>Regie: Robert Benton<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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