Wir gehen unsere Frauen befreien

- Wären nur diese Shrimps nicht gewesen. Gäbe es nur kein Funkloch, und hätten die beiden Protagonisten nur nicht so sture Köpfe. Hätte, wenn und aber, dieses Spiel lässt sich endlos treiben im Film "Die Bluthochzeit" von Dominique Deruddere. Denn die Verfilmung des Comics von Jean van Hamme folgt einer Dramaturgie der Verkettung unglücklicher Umstände, die sich hochschaukeln und irgendwann ihren nichtigen Anlass vergessen haben. Der Film durchläuft eine Gewaltspirale, die irgendwann zum Selbstläufer wird.

<P>Der schönste Tag im Leben von Mark (Arne Lenk) und Sophie (Lisa Maria Potthoff) endet bei der Vorspeise des Hochzeitsmenüs. Weil Marks Vater Hermann Walzer (Armin Rohde) die Shrimps nicht schmecken, muss die Gesellschaft den Burggasthof des Gourmetkochs Berger (Uwe Ochsenknecht) verlassen. Dummerweise vergessen die Männer ihre Frauen dort, Berger hält sie gefangen, und was folgt, ist die Geschichte einer Burgbelagerung. Wir gehen unsere Frauen befreien, und zwar mit Waffengewalt, so lautet das archaische Denkmuster Walzers.<BR><BR>Armin Rohde spielt einen militaristischen Choleriker, der Ärger anzieht. Und ihn auch selbst provoziert, wenn ihm danach ist, seine Männlichkeit zu beweisen. Dann fängt er Schlägereien an und hofft, dass seine Söhne dabei ebenso ihren Mann stehen. Leider kristallisierte sich heraus, dass Mark in dieser Beziehung nicht nach dem Vater kommt. Ein Kuckucksei, das die Potenz Walzers in Verruf bringt und diesen notorisch großmäuligen Vater erst recht zu den Waffen greifen lässt.<BR><BR>So wird "Die Bluthochzeit" hinter ihrer Eskalations-Dramaturgie und durchschaubaren Gleichnishaftigkeit zu einer Geschichte über zwei Generationen. Etwas naiv setzt der Film die Hoffnung in die Jungen, die schließlich das Ruder in die Hand nehmen und einen Krieg beenden, der kurz davor war, die Beteiligten ins Bodenlose zu reißen. Alle hängen sie über dem Abgrund, und angesichts des nichtigen Anlasses wirkt die Situation tief verstörend. Dass der Film dennoch nicht durchgehend mitreißt, liegt daran, dass Dominique Deruddere sein Projekt der anschaulichen, lehrreichen Parabel zu bierernst verfolgt. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Tivoli.)<BR>"Die Bluthochzeit"<BR>mit Armin Rohde, Uwe<BR>Ochsenknecht<BR>Regie: Dominique Deruddere<BR>Erträglich </P><P> </P>

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