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„Man kann die Gelassenheit des Südens lernen“: Wim Wenders’ aktueller Film startet heute.

Interview zum Filmstart

Der Tod geht jeden etwas an

Wim Wenders (63) etablierte sich mit Filmen wie „Der amerikanische Freund“ (1977) oder „Der Himmel über Berlin“ (1987) als einer der international erfolgreichsten deutschen Regisseure.

Nach langem Aufenthalt in Amerika lebt er nun wieder in Deutschland und hat mit „Palermo Shooting“ erstmals nach zwölf Jahren einen Spielfilm hier gedreht. Das Werk über den Star-Fotografen Finn (Campino) in der Sinnkrise startet heute.

-Arbeitet man in Deutschland anders? Oder macht das für einen Regisseur keinen Unterschied?

Es ist ein riesiger Unterschied! In der Muttersprache zu drehen, ist eine Erholung. Aber in der Stadt zu arbeiten, in der man aufgewachsen ist, war nicht so einfach, wie ich dachte.

-Weshalb beginnt der Film ausgerechnet in Düsseldorf?

Die Hauptfigur ist ein Fotograf, da bot sich Düsseldorf sozusagen von selber an. „Die Düsseldorfer Schule“ ist die wichtigste Entwicklung in der deutschen Fotografie nach dem Krieg. Und ich wollte mich einfach mal der Situation stellen, in meiner Geburtsstadt zu drehen.

-„Palermo Shooting“ ist ja ohnehin ein sehr persönlicher Film. Oder ist das ein falscher Eindruck?

Da würde ich Ihnen nicht widersprechen. Über den Tod nachzudenken, ist sicher eine höchst persönliche Sache, gleichzeitig geht das jeden etwas an. Der Tod ist in „Palermo Shooting“ ja auch nur ein Trick, um aus einer radikalen Sicht auf das Leben zu schauen. Deutlicher als aus dieser Perspektive kann man nicht sehen, was man ändern sollte.

-Ich meinte eher den Aspekt, dass hier ein erfolgreicher Künstler eine Auszeit nimmt, um über sich nachzudenken.

Das passiert einem Regisseur durchaus auch mal – wie jedem anderen Menschen.

-Obwohl es um den Tod geht, hat der Film eine gewisse Leichtigkeit. Lag das am Einfluss des Drehorts Palermo?

In Düsseldorf ist alles „schwerer“, klar. Aber das passt zu Finns Entwicklung. Anfangs ist er noch ganz „erstarrt“, erst in Palermo beginnt er wirklich bei sich zu sein. Er teilt ein Grundproblem unserer mitteleuropäischen Konsumgesellschaft: Wir sind oft in unserem Leben nicht „richtig drin“. Die Menschen im mediterranen Raum gehen damit lockerer um.

-Es gibt ja die alte deutsche Sehnsucht nach dem Süden.

Bei Goethe angefangen. Das hat Methode bei uns. Aber man kann diese Gelassenheit des Südens auch lernen. Man kann sich aus diesen starren Strukturen, die gerade bei uns so gern vorherrschen, lösen. Gerade hier hängt man ja so an Reglementierungen. Es hat seine Vorteile, auch mal woanders zu leben, da spreche ich aus Erfahrung.

-Die Hauptrolle spielt Campino, Sänger der „Toten Hosen“. War es schwierig, einen Musiker zum Schauspielen zu überreden?

Er hat sich das gut überlegt und brauchte natürlich auch die Zustimmung der Band. Ich hatte wegen seiner mangelnden Erfahrung keine Bedenken. Im Gegenteil: Ich wollte gerade jemanden an meiner Seite haben, für den das alles neu war. Ich wollte einfach einen, der sich mit Haut und Haaren auf unser Abenteuer einlässt, der bereit ist, auf Risiko zu gehen und ohne Netz oder doppelten Boden zu spielen. Wir haben uns gegenseitig voll vertraut und das nicht bereut.

-Und hat sich Campino mit der Arbeit vor der Kamera schwergetan?

Überhaupt nicht. Er hat sehr schnell sehr viel gelernt. Jeder Schauspieler hat seine eigene Herangehensweise, und er hat von jedem Kollegen was mitgenommen, bis hin zu Dennis Hopper. Da ist der Adrenalinspiegel schwer gestiegen. Jetzt kann er eigentlich nicht mehr behaupten, dass er kein Schauspieler ist...

Das Gespräch führte Zoran Gojic

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