Geisterreiter in einer menschlichen Wüste

- "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen." Mit diesem Platon-Satz eröffnet Ridley Scott seinen Film "Black Hawk Down" und gibt seinem Stoff die Weihe eines tiefgründigen Epos'. In Kriegsfilmen ist dieser Kunstgriff erprobt. Egal wo diese Werke politisch stehen, diente Krieg immer auch dazu, von der Rückkehr des Menschen zur Natur zu erzählen und den vermeintlich illusionären Charakter des Fortschritts darzustellen.

<P>Ridley Scotts Filme kreisen seit jeher um den schmalen Grat zwischen Zivilisation und Barbarei. Den Krieg brauchte der Regisseur dafür bisher nicht. Und auch jene Soldaten, die hier von Generälen in eine zum Scheitern verurteilte Aktion geschickt werden, erinnern zunächst an Scotts "Blade Runner" oder an seinen "Gladiator": Gegenspieler des absolut Bösen, Geisterreiter in einer menschlichen Wüste. Überleben ist nur ein Zufall. Und in seinem wenig verklärenden Pessimismus bewegt sich der Brite Scott durchaus in einer guten Tradition amerikanischen Filmemachens. Doch diesmal sind die Koordinaten andere: "Black Hawk Down" geht auf eine tatsächliche Geschichte zurück.</P><P>Die Verfilmung des "Tatsachenromans" von Mark Bowden handelt von einem der größten Desaster der jüngeren US-Militärgeschichte. 1993 versuchten Spezialeinheiten in einer schnellen Kommandoaktion, den somalischen Kriegsherren General Aidid und seine Offiziere in ihrem Versteck in der Hauptstadt Mogadischu festzunehmen. Das Unternehmen schlug fehl, und etwa 100 US-Soldaten mussten sich durch die engen Gassen der Stadt gegen eine Überzahl von Somalis zurückkämpfen. 18 Amerikaner fanden dabei den Tod, einige wurden vom somalischen Mob massakriert, ihre nackten Leichen im Triumph vor den TV-Kameras der Welt durch die Straßen geschleift.</P><P>Zwar hat sich Ridley Scott noch nie als Kritiker von Gewaltdarstellungen im Kino hervorgetan oder als Infragesteller des manchmal plumpen Hollywood-Patriotismus. Doch überwiegen hier wie in seinen anderen Filmen auch die düsteren Elemente, scheint allenfalls ein dunkler Heroismus möglich: Zwar ist "Black Hawk Down" _ das ist durchaus auch eine Stärke _ wie ein Abenteuerfilm inszeniert, voller Lust an Choreographie und Stunts, stellenweise auch als Western. Doch nie verhehlt Scott dabei, dass er letztlich eine traurige Untergangsgeschichte erzählt: Mit Optimismus beginnt es, im Blutbad endet es. Ein eindringliches, kontroverses Filmkunstwerk. (In München: Marmorhaus, Maxx, Leopold, Cincinnati, Cinema i.O.)</P><P>"Black Hawk Down"<BR>mit Josh Hartnett, Ewan McGregor<BR>Regie: Ridley Scott<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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