Generation der Verlorenen

"Alpha Dog": - Wie bei allen verheerenden Katastrophen, an denen Menschen beteiligt sind, beginnt es harmlos. Die beiden Junggangster Johnny (Emile Hirsch) und Jake (Ben Foster) geraten wegen des Geldes aneinander. Aber schnell geht es ums Prinzip.

Johnny geriert sich großspurig als Pate, und Jake will nicht so vorgeführt werden. Zwei Alpha-Tiere, die lieber alles um sich herum untergehen lassen und als das Gesicht zu verlieren. Gedankenlos entführt Johnny daraufhin Jakes jüngeren Bruder, um den zu disziplinieren: der Beginn einer angekündigten Höllenfahrt, des totalen Versagens aller Beteiligten.

Die Geisel (Anton Yelchin) erweist sich als geradezu lächerlich kooperativ. Dutzende von Zeugen gibt es - keiner wird etwas unternehmen. Und die Geiselnehmer, das ist der perfide Coup des Films, freunden sich mit ihrem Opfer an. Sie mögen den Jungen wirklich, und der wähnt sich für kurze Zeit im Paradies. Er darf rauchen, trinken, die Mädchen der Clique finden ihn süß. Dummerweise ist eine Entführung aber ein Kapitalverbrechen.

Als die Wohlstandskinder, die da in den Villen ihrer Eltern Verbrecher spielen, merken, dass ihnen Gefängnis droht, kommt Panik auf. Sie sind es ohnehin nicht gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Keiner bringt den Mut auf, das Richtige zu tun. Deswegen kommt es zu einer fatalen Abfolge unfassbar blöder Entscheidungen. Die Teenager wollen das Problem nicht lösen, sondern beseitigen. Mord erscheint ihnen als der einfachere Ausweg als der Gang vor Gericht. Es gibt nur einen Jugendlichen, Frankie, der so etwas wie Gewissen erkennen lässt, aber er hat nie gelernt, danach zu handeln - die Erwachsenen haben es nicht vorgelebt.

Popstar Justin Timberlake spielt diesen Frankie verblüffend virtuos als sympathischen Hallodri, der letztlich die größte Schuld auf sich lädt. Überhaupt lohnt alleine die Besetzung, den Film anzuschauen. In Gastrollen brillieren Bruce Willis und Sharon Stone. Für die Hauptrollen hat Regisseur Nick Cassavetes wunderbare junge Könner gefunden, unter denen insbesondere Ben Foster als jähzorniger Schläger den größten Eindruck hinterlässt. All das ergibt das verwirrende und aufwühlende Stimmungsbild einer ignorierten Generation. Der Film beruht übrigens auf einer wahren Geschichte.

"Alpha Dog"

Regie: Nick Cassavetes

mit Justin Timberlake, Sharon

Stone, Emile Hirsch, Ben Foster

Sehenswert

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare