Ab heute im Kino

"Und Äktschn!": Polt-Satire auf die Filmszene

München - Nach zehn Jahren Pause kehrt Kult-Kabarettist Gerhard Polt auf die Kino-Leinwand zurück. Einen Eindruck von seinem Auftritt als mittelloser Amateurfilme in „Und Äktschn!“ gibt es im Kinotrailer.

Ein Radl mit einem Anhänger, den der Aufkleber „Pospiech Productions“ ziert. Ödes Vorstadtambiente im Winter. Das Dröhnen der Flugzeuge im Sinkflug. Dass hier weder Holly-, noch Bollywood brodeln, ist auf den ersten Blick klar. Der ärmlich gekleidete, ältere Mann, der sich da abstrampelt, trotzt dennoch eisern den widrigen Bedingungen. Hans Pospiech (Gerhard Polt) dreht unverdrossen seine Filme – ohne Geld, ohne Anerkennung vom örtlichen (Möchtegern-)Cineasten Nagy (Nikolaus Paryla). Hauptsache sein Neffe (Maximilian Brückner), seine Spezln (Robert Meyer, Olaf Krätke) und die verschämt verehrte Boaznbesitzerin, Frau Grete (Gisela Schneeberger), stehen ihm bei.

Gerhard Polts und Frederick Bakers Arbeit „...und Äktschn!“ (beide Drehbuch) kommt im ersten Moment als Gaudi aufs Filmemachen daher. So nach dem Motto: Mei, die netten Amateure! Aber schon als Pospiech mit einem Schweizer Militariasammler (Kabarettist Viktor Giacobbo) skypt und die zwei sich für eine Originalaufnahme aus dem Zweiten Weltkrieg von Geschützeinschlägen und -donner begeistern („Da ist jede Explosion ihr Geld wert!“), ist klar: Da „droht“ Abgründiges.

Polt und Baker (Regie) zeigen quasi im Vorbeischlendern, dass jenes gar nicht tief liegt, sondern ganz oben, direkt vor unseren Füßen. Vom Kriegsfilm ist es nicht weit zum Streifen über Adolf Hitler privat: der Abgrund eine seichte Pfütze. Die Idee variierte Polt bereits in Kabarett-Episoden, jetzt schlägt er als Pospiech zu („Wir brauchen bloß a bissl a Utopie.“). Schneeberger und Meyer spielen zwei Dilettanten, die Eva Braun und Hitler spielen. Die schlechte Leistung wird mit Könnerschaft serviert – nicht als plumpe Übertreibung für Schenkelklopfer-Lacher, sondern als trauriges, erbärmliches Nichts. Die Lachtränen fließen schon eher beim indischen Koch (Praschant Prabhakar) von Frau Grete, der den Goebbels geben muss.

Die darstellerischen Leistungen sind insgesamt fein und oft hinterfotzig ziseliert. Sie entsprechen der Liebe zum Detail der Filmemacher Baker, Polt und Wolfgang Thaler (Bildgestaltung). Jene geht von der räudigen Ausstattung des Pospiech’schen „Ateliers“ bis hin zur tückischen Wortwahl „Risikokunde“ (= Pospiech) der örtlichen Bank. Und es gibt manch winzige Szene, die mehr aussagt über unser Verhältnis zur Vergangenheit als ein 200-seitiger wissenschaftlicher Aufsatz: etwa die genervte Wegwisch-Reaktion auf die abgetrennten Judensterne des Sammlers von NS-Trophäen.

von Simone Dattenberger

Rubriklistenbild: © Delia Wöhlert/Majestic Filmverleih/dpa

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