Geschichten ohne Narrenkappe

- Der Titel weckt falsche Erwartungen: In der neuen Computeranimation von Eberhard Junkersdorf trägt Till Eulenspiegel keine Narrenkappe, und auch sonst ist nichts von den bekannten Possen des Schalks geblieben: An den Namen erinnern allenfalls die beiden links und rechts aus seinen Haaren herauswachsenden Rotschippel und der steil aufstehende Wirbel in der Mitte.

<P>Die Frisur zeigt es an: Hier steht ein Rebell gegen die Obrigkeit, einer, der an allem kratzt, was Rang und Würde hat, und der mit ungemeiner Respektlosigkeit sämtliche Traditionen, Normen und Werte der etablierten Gesellschaft bricht. Allerdings: Ein Anarchist ist dieser Till nicht. </P><P>Vielmehr setzt er den alten, nicht mehr reflektierten Werten neue entgegen: Hilfsbereitschaft, Mut, Erfindungsreichtum. Und darüber hinaus noch Wendigkeit, Gelenkigkeit, Behändigkeit und Witz. Junkersdorfs Film erinnert im Grunde an ein Märchen. Da gibt es die guten Tiere, einen sprechenden Spiegel, eine Armee aus Skeletten, ein paar filmische Anleihen aus Schneewittchen, Prinz und Bettelknabe oder Tausendundeine Nacht.<BR><BR>Doch trotz der perfekten Raumillusion bleiben die Figuren in den schönen Kulissen seltsam papieren und zweidimensional. Es sind die hervorragenden Sprecher, die über die filmischen Mängel hinweghelfen. Frech und selbstbewusst: Benedikt Weber als der junge Till; glänzend Mario Adorf als Bürgermeister; dazu noch Katharina Thalbach, Veronica Ferres, Christian Tramitz. </P><P>Das Ganze ist mit Rap und flotten Sprüchen garniert, mit Slapstick und Situationskomik verfeinert, rasant erzählt und zielstrebig zu Ende gebracht. Aber gerade deswegen sollten die Zuschauer etwas größer sein; für die Kleinen ist die Handlung schwer verständlich, und einige Bilder können Angst machen. Trotz alledem: Till Eulenspiegel ist das nicht. Der Film hat seine Wurzeln im Nirgendwo. </P><P>"Till Eulenspiegel"<BR>Regie: Eberhard Junkersdorf<BR>Erträglich </P>

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