Geschwister-Rache

- Es ist merkwürdig unter Geschwistern: Sie können sich alles an den Kopf werfen und bis aufs Blut bekriegen. Aber sobald ein Störenfried von außen auftaucht, bilden sie eine undurchdringliche Wand. Dieses Paradox ist der Ausgangspunkt in John Singletons unbarmherzigem und mitreißendem Thriller "Vier Brüder".

Vier Heimkinder werden von einer Sozialarbeiterin adoptiert und aufgezogen. Zwar sind zwei davon weiß und zwei schwarz, aber das ändert nichts an dem unverbrüchlichen Band zwischen ihnen. Als später die Mutter ermordet wird, sehen sich die Vier nach langer Zeit beim Begräbnis wieder.

Singleton fängt diese Momente des Wiedersehens, den schnoddrig-herzlichen Ton zwischen den gegensätzlichen Männern perfekt ein und sorgt so dafür, dass die kommenden Volten in der Handlung nachvollziehbar und glaubwürdig bleiben. Denn die Polizei hakt den Mordfall schnell ab, und die Söhne starten ihre eigenen Ermittlungen, was sowohl in der Unterwelt als auch bei der Polizei Unruhe auslöst. Denn die vier Herrschaften waren in ihrer Jugend aktenkundig, wie es so schön heißt. Zwar sind bis auf einen alle mittlerweile bürgerlich geworden, aber just der kriminelle Bruder, das schwarze Schaf (den Mark Wahlberg mit beachtlicher Härte brillant darstellt) ist der Wortführer.

Singleton inszeniert mit vielen Anleihen an das 70er-Jahre-Actionkino den Rachefeldzug mit wüsten Verfolgungsjagden und wilden Straßenschlachten. Dennoch, und das zeichnet diesen Film aus, nimmt er sich Zeit für das Innenleben seiner Protagonisten und streut immer wieder etwas makaberen Humor ein. Das bewahrt diese eigenwillige, groteske Familiensaga davor, in purem Krawall zu versinken.

"Vier Brüder"

mit Mark Wahlberg, Tyrese Gibson

Regie: John Singleton

Sehenswert

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