Der gespielte Witz

- Angeblich hat sich das Lächeln des Menschen aus einer Droh-Grimasse unserer Vorfahren entwickelt. Und wenn man Jane Fonda in ihrem Kino-Comeback ihre Film-Schwiegertochter Jennifer Lopez anlächeln sieht, glaubt man das sofort. Wie viel Verachtung und Hass Fonda in eine an sich freundliche Mimik legen kann, ist schon beängstigend. Es sind diese Augenblicke mit der 67-jährigen Hollywood-Legende, die immer wieder mit einer Komödie versöhnen, die an sich das Potenzial zu einem Prachtexemplar vorsätzlich erzeugter Langeweile hat.

<P>Die Geschichte um den jungen, attraktiven und wohlhabenden Chirurgen Kevin (Michael Vartan), der sich in die ebenfalls junge und attraktive, aber mittellose Charlie (Jennifer Lopez) verliebt, ist eigentlich ein gespielter Witz. Kevins Mutti (Jane Fonda) mag die künftige Schwiegertochter nicht und setzt alles daran, die Hochzeit zu vereiteln. Man ahnt den Klamauk, und Regisseur Robert Luketic lässt sich nicht lange bitten. Es gibt die unvermeidlichen Verwechslungen und Missverständnisse, die sich aufgrund von Muttis Intrigen zwangsläufig ergeben.<BR><BR>Das alles hat man schon gesehen - und, wenn man ehrlich ist, origineller und lustiger. Jennifer Lopez gibt sich verzweifelt Mühe, nach einigen Flops und Skandalen sympathisch zu wirken, und verkrampft dabei völlig. Mag sein, dass auch die dominierende Präsenz der zweifachen Oscar-Gewinnerin Jane Fonda einschüchternd gewirkt hat. Etwas Tempo und Witz entwickelt der Film erst, als sich die Braut in spe wehrt und ebenfalls auf hinterhältige Tricks zurückgreift, um die künftige Schwiegermutter zu diskreditieren. Als Miststück mit süßem Lächeln überzeugt Lopez plötzlich und scheint der nuancierten Ausdruckskraft von Fonda gewachsen.<BR><BR>Aber letztlich stiehlt sich Fonda nach 15-jähriger Leinwandabstinenz mit routinierter Virtuosität die besten Szenen. Wenn sie wie nebenbei ihr Image als 68erin persifliert, ist das schlichtweg umwerfend. Selbst das rührselige Ende rettet sie mit bemerkenswertem Gespür für die Schwächen des Drehbuchs vor dem Absturz.<BR><BR>Als Anlass, einer großartigen Schauspielerin bei der Arbeit zuzusehen lohnt "Das Schwiegermonster" - wer sich mehr davon erwartet, wird wohl enttäuscht sein. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Royal, Maxx, Leopold, Cadillac, Sendlinger Tor, Tivoli, Cinema i.O.)<BR><BR>"Das Schwiegermonster"<BR>mit Jane Fonda, Jennifer Lopez<BR>Regie: Robert Luketic<BR>Annehmbar <BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare