Gewalt-Orgie mit Gotteskrieger

München - Der Däne Anders Morgenthaler beweist mit "Princess", was Japaner schon lange wissen: Auch komplexe Themen, die weh tun, können mit den Mitteln der Animation dargestellt werden. Die Bilderwelt lehnt sich sehr stark an Fernost-Vorgaben an. "Princess" beeindruckt visuell und entfaltet eine ganz eigenartige Poesie.

Die Handlung dreht sich um den Priester August. Nach dem Tod seiner Schwester Christina nimmt er deren fünfjährige Tochter in seine Obhut. Mia ist verhaltensauffällig, und auch die Gründe sind bald bekannt: Mutter Christina war ein Pornostar, Mia ist in diesem Milieu aufgewachsen und offenbar missbraucht worden. August entschließt sich zum blutigen Rachefeldzug.

 Die Last ist bleischwer, die Morgenthaler seinem Film aufbürdet. Keine Frage, dass Kinderschänder Strafe und Verachtung verdienen. Mit ihnen deshalb kurzen Prozess zu machen, ist aber etwas anderes. Diese Selbstjustiz-Moral wird nicht infrage gestellt. Wenn es den Richtigen trifft, ist alles verdient - so argumentiert der Film. Aber wer entscheidet, wer "der Richtige" ist? Ein wild gewordener Priester? Und verdient nicht jeder das Recht, zumindest gehört zu werden?

Zudem vermischt Morgenthaler das moralisch eindeutige Thema des Kindesmissbrauchs mit der in freien Gesellschaften legalen Pornografie. Sein Hass macht Morgenthaler blind für solche Nuancen und für das Unrecht, das seine Hauptfigur begeht. So wird dieses puritanische Pamphlet zur bluttriefenden Gewalt-Orgie, sein Held zum christlichen Gotteskrieger.

"Princess"

mit Stine Fischer Christensen

Regie: Anders Morgenthaler

Unerträglich

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