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„Ghostbusters: Legacy“ ruft die Geister der Vergangenheit

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Von: Michael Schleicher

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Szene aus „Ghostbusters: Legacy“, der Fortsetzung des Kultfilms von 1984.
„Ghostbusters: Legacy“: Geister erobern ein US-Kaff. © Courtesy of Sony Pictures

Die „Ghostbusters“ sind Kult. Jetzt geht eine neue Generation Geisterjäger an den Start: „Ghostbusters: Legacy“, inszeniert von Jason Reitman. Unsere Kinokritik:

Ja, sind denn die jetzt von allen guten Geistern verlassen? „Ghostbusters“ aus dem Jahr 1984 ist eine wundervolle Science-Fiction-Komödie. Bis heute. Mit Witz und Charme von Ivan Reitman inszeniert und von Leuten wie Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson, Sigourney Weaver in genau der richtigen Mischung aus großem Ernst und mit ironischem „Was tun wir hier eigentlich?“ gespielt. Einen solchen Film darf man nicht fortsetzen – und man kann es auch nicht: Die Version von 2016 mit Geisterjägerinnen war – sorry Ladys – komplett für die Tonne und sollte nie wieder erwähnt werden.

„Ghostbusters: Legacy“: Jason Reitman inszenierte die Komödie

Doch jetzt startet „Ghostbusters: Legacy“ und zeigt, dass es funktionieren kann. Jason Reitman – ja, es bleibt in der Familie – hat sich der Arbeit seines Vaters angenommen. Seine Komödie ist Verneigung vor dem ersten Film, zugleich aber dessen charmante und eigenständige Fortschreibung. Er rückt heute – die Ereignisse von 1984 sind nurmehr ein paar Clips auf Youtube – die Geschwister Trevor und Phoebe ins Zentrum, die mit ihrer Mutter ins geerbte Haus des Großvaters in einem Kaff im amerikanischen Nirgendwo ziehen. Bereits mit der zu Herzen gehenden Tragikomödie „Juno“ (2007) hat Reitman gezeigt, dass er die (Quäl-)Geister kennt, die Teenager umtreiben – und dass er deren Leben sensibel, doch auch mit Witz inszenieren kann. Hier ist es nun vor allem Phoebe, Mckenna Grace spielt die kleine IQ-Heldin ganz groß mit naseweiser Frechheit, die schnell checkt, dass nicht nur im Haus des Opas gar sonderbare Dinge vor sich gehen. Nein, der ganze Ort scheint ein paranormales Paradies zu sein.

Szene aus "Ghostbusters: Legacy" mit Mckenna Grace als Phoebe.
Angriff! Phoebe (Mckenna Grace) tritt in „Ghostbusters: Legacy“ in die Fußstapfen ihres Großvaters. © Courtesy of Sony Pictures

Trevor, den Finn Wolfhard als nicht ganz so helles Pubertier zeigt, ist zwar vor allem mit seinen Gefühlsstürmen, vulgo Hormonen, beschäftigt, macht aber immerhin in der Scheune eine wichtige Entdeckung. Der Cadillac, der dort verrottet, ist der legendäre „Ecto-1“, mit dem einst der Großvater der beiden auf Geisterjagd gegangen ist. Klar, dass die Enkel nicht zurückstecken wollen.

„Ghostbusters: Legacy“: Nostalgie trifft Neuinterpretation

Das Gefährt aus dem ’84er-Film ist nicht die einzige Anspielung in „Ghostbusters: Legacy“. Wer außer Reitman mag schließlich das Erbe besser kennen, das er hier zu verwalten hat? Es gelingt ihm. Freilich lässt sich dem Drehbuch, an dem der Regisseur zusammen mit Gil Kenan geschrieben hat, vorwerfen, dass seine Orientierung an der ersten Komödie so deutlich zu erkennen ist, wie es die Marshmallow-Geister im Supermarkt sind. Außerdem wissen die Autoren natürlich um den Erfolg von „Stranger Things“: Wolfhard spielte dort wie hier eine der Hauptrollen; darüber hinaus ähnelt die Zusammensetzung der jungen Clique durchaus jener aus der spannenden Netflix-Serie.

Doch das ist tatsächlich so egal, wie Phoebes Feststellung „Ich bin Wissenschaftlerin!“ korrekt ist. Denn „Ghostbusters: Legacy“ ist ein spannender, kurzweiliger Kinospaß für die ganze Familie (frei ab zwölf Jahren), der selbst ohne Nostalgiefaktor trefflich funktioniert.

Umso besser allerdings, dass es den obendrein gibt. Reitman bedient sich nicht nur bei Requisiten und Sprüchen der Achtziger, die er teilweise in neue Zusammenhänge setzt („Who you gonna call?“). Er konnte zudem aus dem Ensemble seines Vaters einige Nebenrollen besetzen (zu viel sei an dieser Stelle nicht verraten) – und rief fürs Finale vier ganz besonders alte Geister an. Selbst jenen, der vor sieben Jahren tatsächlich gestorben ist. So schön.

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