Gier, Ruhm und Lächerlichkeit

- Der US-Präsident Staton (Dennis Quaid) hat es nicht leicht. Da gibt sich der eher unterbelichtete Mann nach seiner Wiederwahl viel Mühe, die Politik seiner eigenen Regierung besser zu verstehen, schon bremst ihn der eigene Chefberater (Willem Dafoe nicht wieder zu erkennen) aus. Der Präsident soll keine Zeitung lesen und Bücher schon gar nicht, sondern sich um seine sinkende Popularität sorgen.

Um wieder beliebter zu werden, wird er Gastjuror in der erfolgreichen Casting-Show "American Dreamz". Als islamistische Terroristen davon hören, beschließen sie, einen ihrer Mitstreiter in den Talentwettbewerb einzuschleusen. Dafür kommt nur der Musical-verrückte Omer (Sam Golzari) in Frage. Der soll in das Finale gelangen und als lebende Bombe den Präsidenten zur besten Sendezeit in den Tod reißen.

Das hört sich, zugegeben, nicht nach Komödie an, ist es aber - und eine unterhaltsame obendrein. Paul Weitz schlägt hier mit spürbarer Lust am Tabubruch auf die amerikanische Pop-Kultur ein, lässt sich aber vom eigenen Furor nicht mitreißen. Gehässig blickt er hinter die Kulissen der beliebtesten Fernsehsendung des Landes und zeigt einen Abgrund an Zynismus. Im Mittelpunkt dieses Flitters und der vorgegaukelten Emotionen steht der berechnend-hinterhältige Moderator Martin Tweed. Hugh Grant bietet als obsessiver Erfolgsmensch ohne jeden moralischen Standard eine seiner besten Leistungen überhaupt. Das Publikum suhlt sich im Behagen an der eigenen Mittelmäßigkeit angesichts der tragischen Gestalten, die sich auf der Jagd nach Ruhm jeder Würde entledigen.

Trotzdem moralisiert der Film nicht. Das ist seine große Stärke. Mit bemerkenswerter Stringenz nimmt er die Welt, die er vorführt, ernst. Die Protagonisten sind nicht sympathisch, aber glaubwürdig. So entstehen wunderbar peinliche Szenen, denn man leidet doch mit den Spinnern, die sich ausbeuten lassen, damit die Zeit zwischen den Werbeblöcken gefüllt ist. Und auch Dennis Quaid, der George W. Bush parodiert, ist deswegen so brillant, weil er dem Präsidenten eine menschliche Seite zugesteht. Damit verleiht er den Gags ungeahnte Subversivität.

Das einzige Problem des Films ist das fundamentale Missverständnis der Motivation von Terroristen: Auch in "American Dreamz" werden arabische Moslems als Menschen vorgeführt, die in Wahrheit auch den American Way of Life anstreben. (Ab Donnerstag in München: Gloria, Münchner Freiheit, Cinema i.O., Autokino.)

"American Dreamz"

mit Dennis Quaid, Willem Dafoe, Hugh Grant

Regie: Paul Weitz

Sehenswert

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