Dokumentarfilm

„Gimme Danger“: Wie man die Selbstzerstörung überlebt

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München - Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ zeigt Iggy Pop alias James Osterberg als reflektierten Gesprächspartner.

Das vermeintliche Ende handelt und hakt „Gimme Danger“ gleich zu Anfang ab – die Phase, als die Drogen, der Boss und das Anarchische zum Disfunktionalen wurde. Der Film hat kein sonderliches Interesse am romantischen Mythos vom selbstzerstörerischen Genie, heiligen Rausch. Der Gründungsimpuls der Stooges mag wahrhaft naiv gewesen sein (in einer Band sein, um Mädels zu beeindrucken), ihre musikalischen Mittel authentisch begrenzt. Aber wie sie auf dieser Basis die Rockmusik umpflügten, die Saat des Punk pflanzten, das war eben mehr als blinder Primitivismus.

Mit gutem Grund lässt der Film Iggy Pop unter seinem bürgerlichen Namen James Osterberg auftreten, setzt Bühnenfigur und den Menschen dahinter nicht gleich. Osterberg war und ist eben kein bloß zugedröhnter Barbar, der mit musikalischem Minimalismus und darstellerischem Exzess die Siebzigerjahre-Bastion von Virtuosentum und Komplexität stürmte. „Gimme Danger“ zeigt ihn als höchst charmanten und reflektierten Gesprächspartner. Er hatte sich im Plattenladen-Job ein enzyklopädisches, eklektisches Repertoire angeeignet, ging sehr bewusst und diszipliniert an sein Handwerk und arbeitete nicht im Vakuum, sondern im Kontext von MC5 über Warhol bis John Cage.

Der Film „Gimme Danger“ taugt durchaus für den Einsteiger als kurzweilige Überblicksdokumentation zur Bandgeschichte sowie als reiche Materialsammlung für Kenner. Die wahre Qualität ist jedoch nicht allein, dass Jim Jarmusch Stooges-Fan und mit Iggy Pop befreundet ist, sondern auf Augenhöhe mit ihm als Künstler. Da schwingen viele unausgesprochene Parallelen zu seinem Film-Werk mit: das Schaffen von Großem aus einfachen Mitteln; das Hadern mit den ökonomischen Realitäten und Bedingungen; die Wegfindung, wenn man vom Rebell zum Arrivierten wird. Und nicht zuletzt der Umgang mit Altern, Vergänglichkeit, dem Leben, wenn man sich nicht romantisch jung verzehrte, sondern es nach dem Fanal weiterging.

„Gimme Danger“

Regie: Jim Jarmusch

Laufzeit: 108 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Year of the Horse“mochten.

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