"A Girl walks Home alone at Night"

Persische trifft auf US-Kultur

München - Bei Ana Lily Amirpour trifft persische auf US-Kultur. "A Girl walks Home alone at Night" ist wie ein amerikanischer Traum eines iranischen Films, oder umgekehrt.

Sie trägt den Tschador, er ein Dracula-Cape: Auf einer Kostümparty sehen sich das namenlose, mysteriöse Mädchen (Sheila Vand) und Arash (Arash Marandi) zum ersten Mal. Sie ist freilich nicht verkleidet – dafür ein echter Vampir.

Die traditionelle Verschleierung und der Monster-Umhang aus der Hollywood-Ikonografie sind in Ana Lily Amirpours Debüt nicht die einzige Begegnung von persischer und US-Kultur. Der ganze Film ist wie ein amerikanischer Traum eines iranischen Films, oder umgekehrt.

Arash kopiert James Dean und hat sich mühsam einen Ford Thunderbird zusammengespart. Immer wieder fühlt man sich an die Glanzzeiten der US-Independents in den Achtzigern, Neunzigern erinnert – an frühen Lynch, Jarmush, Ferrara, vor allem an Michael Almereydas „Nadja“. Doch im Cowboyhemd wird dann auch poetisch mit einem Luftballon getanzt. Und es ist stets klar, dass mit dem Mikrokosmos des Films – bevölkert fast nur vom Vampir-Mädchen, Arash und seinem heroinabhängigen Vater, dessen Dealer und einer Prostituierten – auf allegorische Weise vor allem die Gesellschaft des Iran gemeint ist. Stets schwingt etwas Unausgesprochenes, Verdrängtes mit.

Leider lässt in der zweiten Hälfte die thematische und atmosphärische Dichte nach. Aber selbst wenn dem elegischen Film die Bannkraft fehlt, einen durchweg darin zu halten: Man wurde schon lange nicht mehr in eine so eigene, faszinierende Welt eingeführt. (In München: Isabella, Leopold, Monopol.)

Tomas Willmann

„A Girl walks Home alone at Night“

mit Sheila Vand, Arash Marandi

Regie: Ana Lily Amirpour

Laufzeit: 99 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Nadja“ mochten.

Rubriklistenbild: © capelight pictures/dpa

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