Glauben und Zweifel

- Anna (Ann Eleonora Jørgensen), eine Priesterin, nimmt ihre neue Arbeit in einem Frauenknast auf. Sie trifft dort auf Kate (Trine Dyrholm), eine Inhaftierte, die offenbar das "zweite Gesicht" besitzt. Anfangs spaltet Annas selbstsicherer, ungewohnter Predigtstil nur Häftlinge und Bewacher. Doch bald häufen sich die Merkwürdigkeiten. Kate sagt Anna auf den Kopf zu, dass sie schwanger sei. Bislang hatte sich Anna das seit Jahren vergeblich gewünscht. Die Bestätigung der Nachricht durch den Arzt erfolgt erst Tage später. Doch die Untersuchung ergibt, dass das Kind möglicherweise behindert sein wird. Kate selbst, so erfährt die Kirchenfrau, hat als Drogensüchtige ihr Baby verdursten lassen. Heute besitzt sie nicht nur die Fähigkeit, in andere hineinzuschauen; bald heilt sie auch noch heroinsüchtige Gefangene. Damit gerät sie in Konflikt mit Jossi, die die Mithäftlinge mit Drogen versorgt.

<P>Das "Dogma"-Werk "In deinen Händen" von Annette K. Oelsen beginnt ruhig und dokumentarisch, doch entwickelt es sich zum mitreißenden Melodram über Schuld, Gewissen und Verantwortung. Wie Filme Ingmar Bergmans reißt diese Arbeit die letzten Fragen der menschlichen Existenz auf - den Abgrund zwischen Glauben und Zweifel, Wissen und Vertrauen. Indem sich die Priesterin am Ende gegen ihren Glauben entscheidet, zerstört sie mehrere Leben.<BR><BR>Auch andere Figuren versagen moralisch. Doch der Film verurteilt sie nicht, sondern bringt sie uns in ihrer Schwäche nahe. Seine Botschaft: "Es gibt keine Vergebung und auf Dauer keine Liebe unter den Menschen." Das mag nicht allen Zuschauern gefallen, einige aber herausfordern, gewohnte Ansichten zu überdenken. Regisseurin Oelsen verzichtet auf große Gesten. Beeindruckend ist ihr Talent, im Alltäglichen das Grundsätzliche zu zeigen, ihre dezente, humorvolle Erzählweise. Die Regisseurin verzichtet auch auf alle Stereotypen des Gefängnisfilms und respektiert die Wirklichkeit. Genau dies war schon immer die Stärke der Dogma-Bewegung, der dieser Film auf eindrucksvolle Weise neue Kraft gibt. </P><P>(In München: Atelier, Arena.)<BR><BR><BR>"In deinen Händen"<BR>mit Ann Eleonora Jørgensen, Trine Dyrholm<BR>Regie: Annette K. Oelsen<BR>Hervorragend </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Goldener Bär für Ungarn - Bester Schauspieler aus Österreich
Berlin - Ungarn holt erstmals nach 42 Jahren wieder den Gold-Bären. Und der Österreicher Georg Friedrich wird bei der 67. Berlinale zum besten Schauspieler gekürt.
Goldener Bär für Ungarn - Bester Schauspieler aus Österreich
Es wird spannend: Das sind die Favoriten der Berlinale
Berlin -  Ein Öko-Thriller oder vielleicht auch ein Flüchtlingsdrama: Bei der Berlinale gibt es ein paar Favoriten auf den Gewinn. Am Samstag fällt die Entscheidung.
Es wird spannend: Das sind die Favoriten der Berlinale
“John Wick: Kapitel 2“: Zu zäh um wahr zu sein
Mit „John Wick“ wurde Keanue Reeves endlich wieder erfolgreich, doch „Kapitel 2“ scheint zwar actionreich, aber wenig durchdacht zu sein. Ein Fehler.
“John Wick: Kapitel 2“: Zu zäh um wahr zu sein
„Fences“: Die Wucht der Worte
„Fences“ erzählt von Mauern, die aufgebaut werden, Worten, die eine Familie zusammenhalten und auseinanderbrechen. Ein Film, der zu Recht für einen Oscar nominiert ist. 
„Fences“: Die Wucht der Worte

Kommentare